Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424227
Peter Paul 
Rubens. 
239 
Aber Rubens ist keineswegs, wie man oft glaubte, mit diesen Werken 
schon am Ende seiner Entwicklung angelangt, sondern obgleich sie einen 
eigenartigen Höhepunkt zeigen, der gleichberechtigt neben den späteren 
Hauptwerken steht, so lassen die späteren Werke des Künstlers doch 
noch eine bedeutgame, weitere Entwicklung erkennen. Wie eben in der 
gesammten Kunstgeschichte jede Periode ihre eigenen Reize besitzt, das 
Ganze aber doch als eine fortschreitende Entwicklung sich offenbart, so 
auch speciell bei Rubens. Es ist zwar richtig, dass es bei Rubens 
Bildern keineswegs möglich, im Einzelnen nach Auffassung und Malweise 
bestimmt die Zeit der Entstehung jedes einzelnen Werkes anzugeben, 
aber bei einem Blick auf das Ganze erkennt man doch deutlich jene 
Entwicklung, die sich vor Allem in der mächtigen Steigerung des Lebens, 
in der dadurch erhöhten dramatischen Wirkung zeigt 1), und mit der die 
stetig zunehmende, freiere und leichtere, in mehreren der späten Werke 
fast skizzenhaft Hüchtige Behandlung im innigsten Zusammenhang steht. 
Eine bedeutende Steigerung in diesem Sinne zeigt Rubens in der 
Periode seiner grossartigsten Wirksamkeit, die ungefähr durch die Jahre 
1616-162 5 begrenzt wird, und welche vor Allem des Meisters unvergleich- 
liche, geniale Leichtigkeit im Schaffen offenbart. An der Spitze der 
grossen Werke dieser Periode steht bezeichnend das grosse Jüngste 
Gericht, das Rubens vor 1618 im Auftrage des Pfalzgrafen Wolfgang 
Wilhelm für die Jesuitenkirche in Neuburg malte und das sich jetzt in 
der älteren Pinakothek zu München befindet. 
Das grosse Jüngste Gericht von Rubens hat keine sehr freundliche 
Aufnahme gefunden; die Jesuiten entfernten es kurz nach seiner Auf- 
stellung wieder von ihrem Hochaltare, und die moderne Kritik spricht 
sich meist kühl und ablehnend über das grosse Gemälde aus; man be- 
gnügt sich in der Regel, das Bild mit einigen tadelnden Bemerkungen zu 
erwähnen, und doch lässt sich nicht leugnen, dass es ein entschieden 
bedeutendes Werk ist, das für Rubens' historische Stellung in hohem 
Grade charakteristisch. 
Zwei Dinge muss man, um ein einigermaassen gerechtes Urtheil über 
C1215 Bild Zu gewinnen, festhalten, erstens den ursprünglichen Standort, 
für den CS gemalt wurde, und zweitens, dass die Ausführung des Bildes 
Offenbar niChlI Von Rubens, sondern zum grössten Theil wohl von seinen 
Schülern herrührt. 
Das Jüngste Gericht ist nicht als Galeriebild gemalt, sondern als 
Altarblatt für den mächtigen Barockaltar einer Jesuitenkirche. Die ganze 
Wirkung ist darauf berechnet, es soll der kräftige Mittelpunkt der reichen 
Decoration einer grossen Kirche sein. Ein derartiges Altarbild muss auf 
hierüber besonders Rooses 
1) Siehe 
Antwerpens. 
Malerschule
        

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