Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421691
und italienische Kunst. 
Deutsche 
noch keineswegs verleugnen. Die weiträumige Anlage des Augsburger 
Domes, der auf die alte Petersbasilika in Rom zurückweist, die Säulen- 
basiliken von Limburg an der Hardt und Hersfeld oder von Hirsau, 
Paulinzelle und St. Jakob in Regensburg, sie erzählen noch ebenso deutlich, 
dass die deutsche Kunst an die auf der Antike basirende, altchristliche 
Kunst Italiens angeknüpft hat, wie Malerei und Plastik während der 
ganzen ersten Hälfte des Mittelalters. Man vergleiche nur die interessante 
Sammlung romanischer Originalskulpturen des bayerischen National- 
Museums, im Speciellen etwa den Christus aus Reichenbach oder den be- 
deutenden Cyklus der Wessobrunner Figuren aus der ersten Hälfte des 
13. Jahrhunderts mit der daselbst so reich vertretenen gothischen Plastik, 
und man wird sofort erkennen, dass das Fortleben der antiken Tradition 
einen Grundzug im Charakter der deutschen Kunst bis über die Mitte 
des I3. Jahrhunderts bildet, im Gegensatze zur zweiten Hälfte des Mittel- 
alters, wo diese Nachklänge völlig verhallen. Aber nicht nur dieses 
Nachleben der Antike beweist in dieser Periode den Zusammenhang 
zwischen italienischer und deutscher Kunst, sondern in den an die Alpen 
angrenzenden Ländern, und zwar von Basel bis Klosterneuburg bei Wien 
steht Anlage und Zier der romanischen Bauten unter dem Einflusse lom- 
bardischer Kunst, und der eigenartige Charakter dieser ganzen Baugruppe 
und ihres plastischen Schmuckes, sowie ihre geschichtliche Entwicklung 
können nur richtig beurtheilt werden, wenn man ihren Zusammenhang 
mit der lombardischen Kunst scharf im Auge behält. 
In der Gothik treten diese Einflüsse wesentlich zurück, aber ganz 
sind sie wenigstens am Ausgange der grossen italienischen Strassen offen- 
bar nie erloschen. Ein Gebäude wie der Dom zu Passau mit seiner statt- 
liehen, in der deutschen Spätgothik einzig dastehenden Kuppel zeugt 
hiervon, oder Strassenanlage und Hausbau in oberbayerischen Städten 
mit ihren Bogengängen, die dem Vorbild der portici Oberitaliens folgen, 
die Rathhäuser, die, wie z. B. in Mühldorf und Passau, der Strasse eine 
lange Schauseite zukehren, ebenso aber die Wandmalereien, die hier be- 
sonders im I5. Jahrhundert die NVände auch der kleinsten Dorfkirchen 
innen und aussen schmücken, wofür z. B. Pipping und Blutenburg bei 
München oder die Kirche von Linden (etwa eine Stunde nördlich von 
Dietramszell) interessante Beispiele bieten. 
Mit der Renaissance, wo Italien Einfluss auf die gesammte nordische 
Kunstentwicklung gewann, mussten diese Beziehungen zu dem Nachbar- 
lande mächtig wachsen, und die italienische Kunst fand hier am Nordrande 
der Alpen, ganz besonders in Bayern und Oesterreich ihre volksthümlichste 
Aufnahme; nicht nur die Paläste und die grossartigen Kirchen rnit ihren 
oft prächtigen Fresken, nicht nur das Rathhaus und das bürgerliche 
Wohnhaus wissen davon zu erzählen, sondern auch das bemalte Bauern-
        

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