Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424172
 
erhielt; nach Rubens Tod schenkte Helene am 3. Februar 1641 noch 
einem fünften Kinde das Leben. 
Rubens starb am 30. Mai 1640 in Antwerpen an der Gicht und 
wurde mit dem grössten Pompe in der Jakobskirche beigesetzt, drei Tage 
vor seinem Tode hatte er sein Testament gemacht; es ist interessant als 
ein Zeugniss des grossen Reichthums, den er besessen, noch mehr aber 
dadurch, dass wir daraus ersehen, wie all die Pracht, die Rubens umgab, 
dadurch, dass er auch die einfachen, praktischen Fragen des Lebens be- 
herrschte, eine gesunde Grundlage hatte. 
Der jugendliche Rubens zeigt dadurch, wie er an den Vorgängern 
lernt und deren Bestrebungen aufgreift, den Meister, der das künstlerische 
Wollen des I6. Jahrhunderts abschliesst; der reife Künstler dagegen ist 
der Mann, der auf dieser Grundlage eine neue Kunst schafft, die grosse 
Blüthe der vlämischen Malerei des I7. Jahrhunderts begründet. 
Rubens hatte den grossen Stil bei den Italienern gelernt, aber die 
Art, wie er ihn in seinen Kirchenbildern, noch mehr, wie er ihn in seinen 
historischen Gemälden ausbildet, war neu und eigenartig. In der Kom- 
position studirte Rubens die Horentinische und römische Kunst, die ja 
in dem regelrechten Aufbau derselben das Höchste geleistet; näher noch 
steht ihm die besonders seit Tizian so freie Komposition der Venezianer; 
aber wenn man auf die Gesammtheit der Rubensschen Komposition 
blickt, so wird man zugeben müssen, dass Keiner vor ihm so frei und 
leicht komponirt, eine solche unerschöpfliche Fülle kompositioneller 
Gedanken besessen; gerade auch hier war Rubens ein epochemachender 
Meister, bekundet er einen mächtigen Fortschritt; in ihrer Freiheit er- 
scheinen seine vollendetsten Kompositionen ebenso bewundernswerth, wie 
Raphaels Disputa und Schule von Athen in ihrer Gesetzmässigkeit. 
Das Studium der grossen Maler Oberitaliens bot die Grundlage für die 
Entwicklung des vlämischen Koloristen, aber der Charakter seines Kolorits, 
das die prächtigen Farben in dem hellen, goldenen Lichte mit voller 
Kraft gegen einander wirken lässt, war doch wieder etwas völlig Neues 
und Selbständiges.  
Für die Entwicklung namentlich der Kunst grossen Stiles von Rubens 
war es von höchster Bedeutung, dass er den südlichen Niederlanden ent- 
stammte, denn hier hatte er von Antwerpen, beziehungsweise von Brüssel 
aus die innigste Fühlung mit den beiden Mächten, die allein damals eine 
monumentale Kunst unterstützen konnten, ja, die ihrer sogar bedurften, 
nämlich mit der katholischen Kirche und den Fürsten Europas.
        

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