Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424168
Peter Paul 
Rubens. 
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er am 29. Mai 1627 het hof van Ursele zu Eekeren im Gebiete der General- 
staaten und 163 5 erwarb er als zweiten Landsitz das Schloss Steen. 
Aber Ruhe sollte ihm gerade jetzt am wenigsten gegönnt sein, denn 
schon in den nächsten Monaten musste er in diplomatischen Angelegen- 
heiten, die dann bis März 1630 seine Zeit in erster Linie in Anspruch 
nahmen, nach Delft reisen. Gegen Ende 1630 aber erblühte Rubens neues 
Glück in seinem Hause durch die reizende Helene Fourment, mit der er, 
als sie etwas über sechzehn Jahre alt, sich am 6. December 1630 in der 
Jakobskirche zu Antwerpen trauen liess. 
Wer nur irgend etwas von Rubens'scher Kunst weiss, der kennt auch 
die schöne Helene, die in den zahlreichen Bildern, welche ihr Gatte von 
ihr malte, geradezu als die Verkörperung seines weiblichen Ideals erscheint. 
Hatte die erste Frau durch das Zarte und Gütige, das Anmuthige und 
Edle ihres Wesens dem offenbar leidenschaftlich erregten, in steter Arbeit 
ringenden Manne den Frieden eines glücklichen Familienlebens geboten, 
so scheint Helene den schon Dreiundfünfzigjährigen zu leidenschaftlicher 
Liebe hingerissen, ihn durch ihre Schönheit stets wieder zu neuen 
Schöpfungen angeregt und begeistert zu haben. Ihre herrliche, volle 
Gestalt bot ein glänzendes Bild weiblicher Schönheit; ihre leuchtenden 
Augen, der zierliche, heiter lächelnde Mund, das feine Naschen, die 
weichen Formen des Gesichtes, das die reizenden, kastanienbraunen Löckchen 
umrahmen, sind das reinste Bild unbefangenen, kindlichen Glückes. 
Rubens wurde nicht müde, die schöne Gattin immer wieder zu malen, 
und diese Portraits, sowie auch die historischen Bilder, in denen ihr Bild- 
niss vorkommt, wie z. B. die Cäcilia und die Andromeda (beide in der 
Berliner Galerie) gehören zu seinen herrlichsten Werken. Die Münchner 
Pinakothek besitzt allein fünf Portraits der Helene, unter denen dasjenige 
das berühmteste, auf dem sie in einer Säulenhalle sitzt, mit ihrem hübschen, 
nackten Buben auf dem Schooss, der ein Barettchen auf dem Kopf trägt; 
eines der schönsten Brustbilder besitzt die Galerie des Haag, ein sehr 
liebenswürdiges Bild in ganzer Figur, wie sich die junge Frau eben zum 
Spaziergang anschickt, die Petersburger Galerie. Aber was soll das 
trockene Aufzählen einer langen Reihe; wer sie kennt, diese reizenden, 
poesievollen Schöpfungen einer glühenden Gattenliebe, der wird sie nie 
vergessen; jedesmal wenn wir sie wiedersehen, erkennen wir, dass unser 
Gedächtniss ihre volle Schönheit nicht festzuhalten vermochte; das Bild, 
vor dem wir stehen, dünkt uns meist als das schönste und wenn wir 
eine ganze Reihe derselben, etwa in guten Photographien, nebeneinander 
legen, so scheint stets eines schöner als das andere.  
Rubens erhielt von Helene noch vier Kinder, zwei Knaben und zwei 
Mädchen; bezeichnend erscheint, dass das jüngere Mädchen, am 3. Mai 1635 
geboren, die Namen der beiden Frauen des Künstlers: Isabella Helene
        

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