Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424150
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Rubens. 
Peter Paul 
stete Verkehr mit der Natur, die er in allen ihren Erscheinungen, in der 
Landschaft wie im Volksleben oder auch im Thierleben mit so viel Liebe, 
mit so frischem Blick erfasste, musste ihm ja vor Allem Bedürfniss sein. 
Aus späterer Zeit besitzen wir ein hübsches Gemälde von Rubens, das 
einen solchen Erholungsgang in seinem Garten darstellt (Pinakothek zu 
München). Am Arme seiner Gattin Helene geht er zu seinem Garten- 
pavillon; ein Page folgt ihnen und ein Hund. An Hunden scheint Rubens 
eine besondere Freude gehabt zu haben; nur ein Mann, der diese Thiere 
in seiner Umgebung hat, ihr Leben und ihre Eigenthümlichkeiten stets 
liebevoll beobachtet, konnte sie so lebenswahr darstellen, wie er; dass er 
auch noch andere Thiere pflegte, sehen wir gleichfalls auf diesem Bilde, 
denn eben streut eine alte Magd den Pfauen und allerlei anderem Geflügel 
Futter. Auf einem Bilde ähnlichen Inhaltes in der National-Galerie zu 
London führt Helene ihr Kind am Gängelbande vor sich her. 
Abends pflegte Rubens einige Bekannte bei sich zu sehen; er hatte 
ein gastliches Haus und viele Freunde. Gelehrte und Künstler pflegten 
sich bei ihm zu versammeln und zumal den Letzteren scheint er stets gern 
als Freund und Berather beigestanden zu sein; in der Familiengeschichte 
der Antwerpemschen Künstler, für die van den Branden's 1) Werk uns ein 
so ausserordentlich reiches Material brachte, begegnet uns Rubens alle 
Augenblicke; wiederholt wird er zu Gevatter gebeten, erscheint als Trau- 
zeuge und Ähnliches mehr. 
Wenn der englische Gesandte im Haag an Rubens schrieb: wIhr seid 
ein Prinz unter den Malern und unter den vornehmen Leutem, so sagte er 
damit nur die einfache Wahrheit. Aber Rubens hat über dem Cavalier 
den Künstler nie vergessen; trotz allem Glanze führte er ein einfaches 
Leben, das ganz der Arbeit gewidmet war, und auch die einfach prak- 
tischen Forderungen des Lebens beherrschte er mit klarem Sinn. Im 
reichsten Maasse war bei ihm der Wunsch ]uvenal's in Erfüllung gegangen, 
den er an seinem Hause angeschrieben hatte: 
iiOrandum est, ut sit mens sana in corpore sano 
 Fortem posce animum et mortis terrore carentem 
Nesciat irasci, cupiat nihilß 
Ende Juni oder Anfang Juli 1626 traf Rubens der schwere Schlag des 
Todes seiner geliebten Frau, der ihn so darnieder drückte, dass er in der 
nächsten Zeit seine Kunst fast ganz vernachlässigt zu haben scheint, und 
schliesslich in den zerstreuenden Eindrücken einer Reise, in der-Entfernung 
von dem Hause, wo ihn Alles an die theure Verstorbene erinnern musste, 
eine Linderung seines Schmerzes suchte. So reiste Rubens nach Holland 
und besuchte dort verschiedene Künstler, wie Bloemaert, Poelenburg und 
Honthorst. Um in ländlicher Zurückgezogenheit leben zu können, kaufte 
der Antwerpsche Schilderschool. 
1) Geschiedenis 
Antwerpen 
1883
        

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