Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424142
Peter Paul Rubens. 
hat; sie legt ihre Hand auf die des Gemahls, aus ihren klugen munteren 
Augen spricht der Stolz auf den schönen, berühmten Gatten, wie die Güte 
und das Zartgefühl, die ihr, wie Rubens einmal an Peiresc schreibt, so 
sehr eigen, dass sie Jeder lieben musste. 
Rubens hatte aus dieser Ehe drei Kinder; das älteste, sein Töchterchen 
Klara, am 21. März 1611 geboren, starb bald; dagegen entwickelten sich 
prächtig die beiden Söhne; Albrecht, geboren den 5. Juni 1614, bei dem 
der Erzherzog Albrecht Pathe stand, sowie dessen den 23. März 1618 
geborener Bruder Nikolaus, der durch einen Stellvertreter des Marchese 
Pallavicini über die Taufe gehoben wurde. Das Doppelbildniss der 
hübschen Knaben in der Lichtenstein-Galerie zeigt, welch grosses Glück 
Rubens auch hier zu Theil wurde. 
Schon durch seine grossartigen künstlerischen Unternehmungen, durch 
die zahlreichen Gehülfen und Schüler, die er besass, von welch letzteren 
er am 11. Mai 1611 schreibt, dass er über hundert, darunter sogar Ver- 
wandte, leider habe abweisen müssen, wurde Rubens genöthigt, sich ein 
neues, stattliches Haus zu bauen. Die Stellung, die er einnahm, vor Allem 
jedoch wohl der bei dem glänzenden Coloristen so natürliche Wunsch, 
seine Umgebung künstlerisch reich zu gestalten, damit sie ihm Stimmung 
und Anregung zu seinem Schaffen bot, führten dann Rubens dazu, sich 
das glänzendste Heim zu schaffen, das vielleicht jemals ein Künstler 
besessen.  
Den 4. Januar I6II begann Rubens mit dem Bau seines Palais auf 
dem Wapper (jetzt Rubensstrasse), dessen Fagade die Frontseite von jetzt 
vier stattlichen Häusern einnahm. In dem Hof befand sich ein Rundbau, 
der die grossartige Sammlung des Meisters enthielt, in welcher sich 
Antiken, Gemälde von anderen Meistern und von Rubens selbst, sowie 
auch Kopien befanden, und der er 1618 die Antiken-Sammlung des Sir 
Dudley Carleton einverleibte, die er für zweitausend Gulden und neun seiner 
Gemälde erworben; 1627 verkaufte Rubens die Sammlung um hundert- 
tausend Gulden an Buckingham, der ihm überdies noch Kopien und Ab- 
güsse der Sammlung machen lassen musste. Das grosse Atelier hatte 
Nordlicht, und zu ihm führte eine breite Treppe, um die mächtigen Bilder 
bequem aus und ein bringen zu können. Hier pflegte Rubens, der früh 
mit der Arbeit begann, im Sommerschon um vier Uhr aufstand, bis 
gegen Abend zu arbeiten; nur eine kleine Mittagspause gönnte er sich. 
Während der Arbeit liess er sich gern aus antiken Schriftstellern vorlesen, 
aber auch die neuere Literatur von Holland, Frankreich und Italien ver- 
folgte er mit Interesse; auch Besuche empfing er im Atelier, ohne sich 
durch sie in seiner Arbeit stören zu lassen. 
Nach der Arbeit hatte Rubens die Gewohnheit, eines seiner Pferde 
zu besteigen und sich durch einen frischen Ritt ins Freie zu erholen. Der
        

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