Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421684
Kun st. 
und italienische 
Deutsche 
mischen Genre- und Landschaftsbilder 
Kunst des Nordens auf den Süden aus. 
deutlich 
genug 
den 
Einfluss 
der 
Die Beziehungen der italienischen zur deutschen Kunst, die Art, wie 
die deutsche Kunst an der italienischen gelernt, bilden ein wichtiges 
Kapitel deutscher Kunstgeschichte. 
Auf italienischem Boden treten die Germanen in die Kunstgeschichte 
ein, der Palast, vor Allem das Grabmal des Theodorich in Ravenna sind 
die monumentalen Denkmale dieser bedeutsamen, historischen Thatsache. 
Es sind nicht Werke germanischen Geistes, sondern italienische Arbeiten, 
zu denen römische Kaiserpaläste und Grabmäler das Vorbild boten, 
höchstens in einigen, ganz nebensächlichen, ornamentalen Details am Grab- 
male des Theodorich kann man vielleicht den Einfluss germanischer Zier- 
formen erkennen, ein oder der andere Mann der eingewanderten Krieger 
mag an dem Denkmal als Steinmetz mitgearbeitet haben, aber das Ganze 
ist ein Werk italienischer Kunst. Das historisch Bedeutende liegt hier, 
wie wohl auch bei jenen oberitalienischen Bauten, die mit den Longo- 
barden in Zusammenhang gebracht werden dürfen, nicht darin, dass die 
hier zuerst in der Kunstgeschichte auftretenden Stämme eine neue Kunst 
zu schaffen beginnen, sondern nur in dem Umstande, dass sie die italie- 
nische Kunst in ihren Dienst nehmen und dadurch bei ihnen das Bedürf- 
niss nach Kunst geweckt wurde. 
Das Münster in Aachen zeigt die nächste Phase dieser Entwicklung. 
Unter dem Vorbilde von S. Vitale in Ravenna entstanden, mit Details 
geschmückt, die aus Rom und Ravenna hierher gebracht wurden, ist es 
das charakteristische Denkmal der welthistorischen Bedeutung Karls des 
Grossen für die Kunstgeschichte, die darin bestand, den Norden durch 
die Verpllanzung italienischer Kunst auf germanischen Boden zu eigenem 
künstlerischem Schaffen anzuregen. Der Kaiserpalast in Ingelheim, dessen 
Vorbild offenbar der römische Kaiserpalast war, die Basilika Einhards in 
Michelstadt, die Kapitale in Höchst und Anderes, ja noch die Säulen, 
die Otto der Grosse für den Dom zu Magdeburg aus Italien kommen 
liess, illustriren diese Thatsache ebenso wie die karolingische Miniatur- 
malerei, wenngleich in dieser aus mehrfachen Gründen die germanische 
Eigenart bald weit selbständiger mitspricht. 
Seit dem IO. Jahrhundert entwickelt sich die nordische Kunst in 
nationaler Selbständigkeit, es scheiden sich die deutsche und die franzö- 
sische und weiterhin besonders seit dem I2. Jahrhundert bilden sich inner- 
halb derselben die einzelnen, lokalen Gruppen. Aber trotz dieser Scheidung 
besteht die innigste Verbindung zwischen ihnen, und es ist eine der be- 
deutendsten Aufgaben der mittelalterlichen" Kunstgeschichte, die innigen 
Beziehungen zwischen französischer und deutscher Kunst klar zu legen. 
Die nordische Kunst wird jetzt selbständig, aber sie kann ihren Lehrer
        

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