Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424105
Peter Paul 
Rubens. 
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(Florenz, Uflizien), mag man vielleicht einen leisen, aber stets sehr frei ver- 
arbeiteten Einfluss antiken Formgefühls bei Rubens finden, irgend wesent- 
liche Bedeutung besitzt derselbe aber gewiss nicht. Trotz der grossen 
Werthschätzung, die er für die Antike hatte, erkannte Rubens eben recht 
gut, dass seine Wege andere, aber nicht minder berechtigte waren, sein 
Naturalismus, seine coloristische Richtung, seine ganz in dem gewaltig 
erregten Leben des I7. Jahrhunderts gründende dramatische Kunst sich 
mit der antiken Formensprache nicht in Einklang bringen liess. 
Wie Rubens während seines italienischen Aufenthaltes die Vorzüge 
der einzelnen grossen Meister jeden in seiner Art würdigte, so bewahrte 
er sich ein wohlwollendes Urtheil über seine Kunstgenossen, das jedem 
gerecht zu werden strebte; auch fernerhin und auf der Höhe seines 
Ruhmes hatte er doch bei seiner Reise nach Holland im Jahre I626 volle 
Anerkennung für Künstler wie Poelenburg, Honthorst (und Andere, deren 
Kunst der seinigen doch sehr fremd gegenüber stand. Hierin liegt auch 
ein Hauptgrund, warum Rubens ein so unvergleichlicher Lehrer war; die 
mannigfaltigsten Meister konnten aus seiner Schule hervorgehen, weil er 
Jeden in seiner Art gewähren liess. 
Indem Rubens durch die Schule, die er selbst in Italien durchgemacht, 
die nordische Malerei gleichberechtigt neben die italienische zu stellen 
begann, und zwar nicht nur innerhalb der Grenzen ihres eigensten Cha- 
rakters, was schon Holbein und vor Allem Dürer gethan, sondern indem 
er ihr auch die grossen Vorzüge der italienischen Kunst errang, schliesst 
er die vorausgehende Periode ab, die ein volles Jahrhundert gedauert, 
begründet damit aber zugleich eine neue Kunstblüthe für den Norden, die 
namentlich durch den Reichthum des Stoffes, den sie behandelt, sich noch 
freier als selbst die italienische Kunst des I6, Jahrhunderts entfalten konnte. 
Ende 1608 kehrte Rubens auf die Nachricht von der tödtlichen Er- 
krankung seiner Mutter nach Antwerpen zurück. Sie war vor seiner An- 
kunft gestorben, und Rubens wurde durch diesen Verlust so schwer dar- 
niedergedrückt, dass er sich zu stiller Trauer in die Michaels-Abtei 
zurückzog. Aber Rubens, der Mann voll Schaffensdrang und Schaffens- 
kraft, konnte nicht lange ein thatenloses Leben führen. Den 29. Juni 1609 
trat er in die Gilde der Romanisten, und kurz darauf finden wir ihn am Hofe 
des Erzherzogs Albrecht in Brüssel. Hier wurde er mit allen möglichen 
Ehren ausgezeichnet, im August 1609 schenkten ihm der Erzherzog und 
seine Gemahlin Isabella eine goldene Kette mit ihren Bildnissen, den 
23. September des gleichen Jahres wurde er mit einem Jahresgehalt von 
500 Pfund zu ihrem Hofmaler ernannt und erhielt volle Freiheit von 
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