Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424033
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Peter 
Paul Rubens. 
die Schule der Italiener gegangen, fand so durch ihn ihren Abschluss, 
indem er an jener lernte, um dadurch seinem und damit dem Wesen der 
nordischen Kunst einen grösseren, freieren Ausspruch zu geben. 
Nicht minder bedeutend arbeiteten aber die Niederländer der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts Rubens dadurch vor, dass sie die verschiedenen 
Gattungen der Malerei ausbildeten, das weltliche Historienbild, allegorische 
und mythologische Stoffe, Portrait, Landschaft, Genre, Stillleben und Thier- 
bilder. Auf die Ausbildung der ersteren war namentlich wieder die 
italienische Kunst von grossem Einfluss, die auch wesentlich die ver- 
änderte Auffassung des Portraits bedingte. Die Entwicklung von Land- 
Schaft, Genre, Stillleben u. s. W. ist dagegen eigenstes Verdienst der 
nordischen Kunst; tief in ihrem Charakter begründet, lassen sich die Keime 
dazu schon im frühen Mittelalter nachweisen; die Ausbildung der selbst- 
ständigen Gattung jedoch gehört erst der zweiten Hälfte des I6. Jahr- 
hunderts an und ist in erster Linie den Niederländern zu danken. Nur 
auf dieser Grundlage konnte sich Rubens als der vielseitigste aller Maler 
entfalten, den Grund zu seiner so unvergleichlich mannigfaltigen Schule legen. 
Im Jahre 1600 ging Rubens nach Italien und verweilte daselbst etwas 
über acht Jahre. Zuerst wandte er sich nach Venedig, dann trat er in 
den Dienst Vincenzo I. Gonzaga, Herzog von Mantua, war von hier aus 
dreimal in Rom zu längerem Aufenthalte, 1602 als Gesandter seines 
Herzogs in Spanien, 1607 in Genua. 
Rubens trat in Italien nicht in die Schule eines bestimmten Künstlers, 
sondern studirte das Land, dessen hohe künstlerische Reize auf ihn, wie 
seine Landschaften beweisen, den nachhaltigsten Eindruck machten, studirte 
vor Allem auch die gesammte Kunst des Landes. Es ist zwar Rubens 
während seines italienischen Aufenthaltes, namentlich gegen das Ende des- 
selben, schon bedeutend als selbständiger Künstler thätig gewesen, und 
Rom, Mantua und Genua besitzen eine Reihe tüchtiger Werke von ihm 
aus dieser Zeit, aber fast noch interessanter als diese produktive Thätig- 
keit erscheint die receptive, sein Studium der italienischen Kunst. Rubens 
betrieb es mit einer höchst merkwürdigen Vielseitigkeit; er studirte fast 
alle bedeutenderen Künstler der verschiedensten Richtungen; für seine 
grossen Ziele bedurfte er der mannigfaltigsten Anregungen, aber er wurde 
desshalb kein Eklektiker; er blieb stets sich selbst treu, er suchte nur in 
der italienischen Kunst und fand in ihr die Mittel, seinen eigenen Stil zu 
entwickeln, seine eigenen Ziele zu erreichen; der frische Quell der 
italienischen Kunst bot ihm hierzu natürlich ganz andere Anregungen, als 
die damals doch recht trübe Kunst seiner Heimath.
        

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