Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423963
Leben und Kunst zweier niederländischer Bauernmaler des siebzehnten Jahrhunderts. 
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sten erscheint Brouwer unter den Antwerpener Meistern des Sittenbildes 
entschieden der alte Pieter Brueghel, und es ist nicht unmöglich, dass 
dessen merkwürdige Sittenbilder vielleicht von Einfluss auf Brouwer 
waren; aber auch in dieser älteren Generation stehen die Holländer 
Aertsen und der Braunschweiger Monogrammist Brouwer noch näher, 
während Brueghel sowohl durch seine Gegenstände, als durch deren 
Auffassung mit seinen Bauernbildern doch mehr auf Teniers deutet trotz 
seiner schlichteren, derberen Art, die durch seine Persönlichkeit und sein 
anderartiges Verhältniss zum Volksleben begründet ist. 
Auf den ersten Blick mag man wohl zwischen den Bauernbildern 
von Brouwer und Teniers eine gewisse Aehnlichkeit finden, vor Allem 
in den Bildern, in welchen Teniers Brouwefs Einfluss zeigt; aber je ein- 
gehender wir die Meister beobachten, desto grösser werden die Gegen- 
sätze, die einerseits darin gründen, dass Teniers der charakteristischste 
Maler des vlämischen Sittenbildes war, Brouwer sich dagegen stark unter 
dem Einflüsse holländischer Kunst entwickelte, die andrerseits aber noch 
bedeutender durch den schneidend scharfen Gegensatz der beiden Charak- 
tere motivirt werden. 
Teniers, der feingebildete Künstler, der Mann in hochangesehener 
Stellung am Hofe, kommt auf das Land, um sich an dem reichen, male- 
rischen Bilde zu freuen, das ihm das Volksleben bietet; er betrachtet mit 
Vergnügen die grossen und kleinen Freuden dieser gesunden, urwüchsigen 
Menschen; in seinen grösseren Bildern erzählt er manche Dorfgeschichte; 
er beobachtet die verschiedensten Charaktere und sucht so meist das 
Ganze psychologisch fein zu beleben. Teniers' Arbeitszeit beträgt über 
60 Jahre; er darf der populärste aller Bauernmaler genannt werden; die 
grössten Galerien und zahlreiche Privatsammlungen theilen sich in den 
reichen Schatz seiner Werke. 
Brouwer's Name dagegen war stets mehr dem Künstler und feinen 
Kenner als dem grossen Publicum geläufig, Brouwer's künstlerischen 
Charakter kann man nur in der alten Pinakothek in München studiren; 
die Zahl seiner Werke ist beschränkt; sie entstammen ja auch der 
kurzen Zeit von nicht viel mehr als sechs Jahren. Das Stoffgebiet ist 
eng begränzt. Brouwer malt ausschliesslich Kneipscenen, bei denen er 
uns erzählen will, wie lustig, wie komisch es bei dieser Kneiperei herging, 
wie drollig die Bauern gesungen, wie herrlich sie sich zum Schlüsse ge- 
prügelt haben, und was für einen dummen Kopf sie den nächsten Morgen 
machten, wenn ihnen der Bader die Pflaster auflegte. Brouwer steht 
keineswegs ausserhalb der Scene wie Teniers, feine Leute finden auf 
seinen Bildern keinen Platz; mit den Leuten zu leben, nicht sie von ferne 
zu beobachten, war seine höchste Freude, und wenn wir denken, wie er 
sich wohl bei der dargestellten Scene benommen, so hat er jedenfalls
        

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