Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423957
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Leben und Kunst zweier niederländischer Bauernmaler des siebzehnten Jahrhunderts. 
hohen malerischen Reiz, den Brouwer ihnen, als nach dieser Richtung 
ausserordentlich fein empfmdender Künstler zu verleihen weiss, andrerseits 
aber durch den köstlichen Humor, mit dem er sie auffasst, der uns auch 
bei der heftigsten Rauferei stets zum Lachen reizt. Brouwer will nicht 
zeigen, wie roh und hässlich diese Menschen sind, er will nur schildern, 
wie komisch sie in ihrer derben Ausgelassenheit sind; deshalb wählt er 
auch nicht die schöneren Leute aus, hält sich nicht an den ordentlichen 
Bauern, sondern bevorzugt den Proletarier und sucht hier nach den häss- 
lichsten als den komischsten und streift mit seiner Charakteristik nicht 
selten an Karikatur. 
Die Grundzüge im Charakter von Brouwerls Sittenbild sind hollän- 
disch, in der Ausführung dagegen mag man da und dort einen nicht 
unwesentlichen Einfiuss der Antwerpener Kunst finden. Brouwer scheint 
die für seine Entwicklung massgebendsten jugendjahre in Holland zu- 
gebracht und, wie Houbraken berichtet, in der Schule des Franz Hals 
gelernt zu haben. Hals war ein vorzüglicher Lehrer und besonders für 
Brouwer; seine prächtigen Studienköpfe aus dem gewöhnlichen Volke, 
die man vielleicht besser sittenbildliche Portraits nennen kann, welche die 
Dargestellten stets im lebhaftesten Momente schreiend, lachend und 
johlend mit prächtigem Humor auffassen, stets meisterhaft breit und 
sicher vorgetragen sind und eine unvergleichliche Charakteristik zeigen, 
sind die bedeutendste Vorstufe von Brouwer's Bildchen, die nur darin 
weiter gehen, dass sie vom einzelnen Kopfe zur Gruppe, vom sittenbild- 
lichen Portrait zum wirklichen Sittenbilde fortschreiten. Brouwens male- 
rische Entwicklung ist bedingt durch das Streben, den Ton herrschen zu 
lassen, ihm die Lokalfarbe mehr und mehr unterzuordnen; er strebt dabei 
nach möglichster Breite des Vortrags; das erinnert schlagend an Hals 
und ist echt holländisch, in dem Leuchten mancher Lokalfarben dagegen, 
besonders bei den herrlich gemalten Hosen und Jacken, und namentlich 
in der flüssigeren, leichteren Malweise spricht sich ein beachtenswerther 
Einfluss der Antwerpener Kunstweise aus, die in ihrem damaligen 
Charakter durch Rubens bedingt ist; es kann diess nicht befremden, 
da Brouwer ja wahrscheinlich seine ganze Meisterzeit in Antwerpen 
zubrachte. 
Brouwer stellt nicht das Volk in der Masse und besonders gern im 
Freien dar, wie die vlämischen Maler des Sittenbildes, sondern er hält 
sich, wie die Holländer, an die kleine Gruppe im geschlossenen Raum, 
und die Luft der rauch- und dunsterfüllten Stube, in die nur ein gedämpftes 
Tageslicht fällt, bestimmt auch seinen Ton. Brouwer giebt seine derben 
Gesellen mit ungeschminkter Wahrheit; er sucht nicht die schöne Seite 
des Volkslebens, das heitere Fest auf, sondern vielmehr die hässliche, die 
er durch einen echt holländischen derben Humor würzt. Am verwandte-
        

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