Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423942
Leben und Kunst zweier niederländischer Bauernmaler des siebzehnten Jahrhunderts. 
213 
Für Brouwefs Persönlichkeit kann man Sympathie gewinnen wegen 
seines gutmüthigen und heiteren Temperamentes, als Künstler dagegen 
werden wir Brouwer rückhaltslos bewundern; Brouwer war mit einem 
ganz ausserordentlichen künstlerischen Talent begabt, das nur um so 
grösser, ja staunenswerther erscheint, wenn wir die Umstände bedenken, 
unter denen es sich entwickelt hat; auch der Fleiss, im gewissen Sinne 
sogar die Energie Brouwer's erscheint hier achtenswerth. Brouwer war 
sonst gewiss nichts weniger als ehrgeizig, aber er forderte, dass man 
seine Kunst unbedingt hochschätze. Es stimmt völlig zu Brouwefs 
Charakter, wenn erzählt wird, dass er, wenn man ihn wegen der Bezahlung 
in den Wirthschaften zurückhielt, Tinte und Papier forderte, um eine 
Skizze zu machen; er schickte sie dann an bekannte Kunstliebhaber, 
zahlten ihm diese aber nicht den geforderten Preis von zwei- bis drei- 
hundert Gulden, so warf er die Skizze lieber ins Feuer, als dass er sie 
unter dem Preise weggegeben hätte. 
In dem kurzen Leben, von dem nur ein kleiner Theil ganz der Kunst 
gewidmet gewesen sein kann, hat Brouwer viel und durchweg Treffliches 
geleistet, ja er hat sich  wie Bode höchst interessant nachgewiesen  
rasch vervollkommnet und zeigt dadurch ein ernstes Streben. Wenn ich 
von Brouwer's Fleiss spreche, so wird man dem entgegenhalten, dass 
von dem Künstler gesagt wird, er sei träg im Malen, flott im Verzehren 
gewesen. Brouwer war fleissig, denn durch Faulheit und Trunk gelangt 
kein Talent, auch nicht das grösste, zur Entwicklung seiner Gaben, aber 
er war Heissig in seiner Art. Allerdings fehlte Brouwer der regelrechte 
Fleiss; das stetige Arbeiten, wie es Teniers bethätigte, war schon durch 
seine Lebensweise ausgeschlossen, aber Brouwer lebte offenbar ganz und 
immer in künstlerischer Anschauung; er fasste Alles, was ihn umgab, 
künstlerisch auf, und wenn er arbeitete, war er stets mit ganzer Seele bei 
der Sache. Aus dem Wesen Brouwer's und aus dieser Art zu arbeiten, 
erklärt sich seine Kunst in ihrem eigenthümlichen, hohen künstlerischen 
Reiz, aber auch in ihrer Einseitigkeit. Eine Kunst, die sich irgendwie 
mit tieferen Problemen beschäftigt, ist bei einem Naturell, wie Brouwer, 
unmöglich, und auch die schlichte, markige Portraitdarstellung, in der uns 
Brouwer"s Lehrer, Franz Hals, die holländischen Freiheitskämpfer vor- 
führt, erfordert eine kraftvollere, männlichere Natur. Brouwefs Kunstgebiet 
ist beschränkt; es beschäftigt sich, abgesehen von ein paar studienartigen 
Landschaften, ausschliesslich mit den niedersten Volksklassen, die er ge- 
wöhnlich in ihrem ausgelassensten Treiben, spielend und rauchend, raufend 
und saufend oder bei der den Excessen folgenden schmerzlichen Kur 
durch den Bader darstellt. Die Scenen werden mit der grössten Frische 
und Lebendigkeit geschildert, mit einer meisterhaft sicheren Charakteristik; 
sie erhalten ihre Anziehungskraft und künstlerische Bedeutung durch den
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.