Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423924
Leben und Kunst zweier niederländischer Bauernmaler des siebzehnten Jahrhunderts. 
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fangs I632, als Brouwer eben erst in die Antwerpener Gilde aufgenommen 
worden war, verkauft David Rykart II. eine Copie nach Brouwer, und 
den 4. März 1632 erklärt Brouwer vor Gericht, dass er den Bauerntanz 
nur einmal gemalt und dieses Bild seit einem Jahre in Rubens Besitz 
sei; das Bild, das der Kaufmann Cachiopin besitze, sei eine frühe Arbeit 
von ihm. Dass Brouwer als Künstler sehr geschätzt wurde, geht auch 
daraus hervor, dass, als er den I. Februar 1638 bei den Carmelitern für 
I8 Stuivers beerdigt worden war, seine Leiche auf Betreiben und unter 
reger Betheiligung der Antwerpener Künstlerschaft nach der Kirche der 
Carrneliter übergeführt und dort würdiger gebettet wurde. Bullart fügt 
diesem Berichte bei, dass es nicht Brouwefs Persönlichkeit gewesen, der 
er diese Ehre zu verdanken hatte, sondern die Achtung, die man seiner 
Kunst zollte. 
Ein Charakter, wie Brouwer, konnte in der That auch im I7. Jahr- 
hundert unmöglich die Achtung der besseren Gesellschaft fordern; er 
suchte sie auch nicht; der gesellschaftliche Zwang war ihm verhasst, wie 
die sorgfältig gewählte Kleidung, über deren Thorheit er sich stets lustig 
machte. 
Als Brouwer einmal gänzlich ausgeplündert nach Amsterdam kam, 
erzählt Cornelis de Bie, kaufte er eine Sackleinwand, liess sich daraus 
ein Costüm nach modernem Schnitt fertigen und bemalte es mit grossen 
schönen Blumen. Der neue Stoff mit dem glänzenden Muster erregte 
die allgemeinste Bewunderung; die modesüchtige, elegante Welt bemühte 
sich auf das Eifrigste, etwas Aehnliches zu erwerben. Als die Mode 
ihren Höhepunkt erreicht hatte, springt Brouwer eines Abends im Theater 
auf die Bühne, hält den Leuten eine Rede über die Narrheit der Mode 
und zeigt, wie nichtig sei, was sie alle so sehr bewundert hätten, indem 
er mit zwei nassen Tüchern, die er in den Händen hielt, die ganze Malerei 
abwischte, und zur Beschämung des Publikums stand er nun in der rohen 
Sackleinwand vor ihnen.  
In der Winkelkneipe mit ihren derben Spässen, ihren tollen Aus- 
gelassenheiten und komischen Prügelscenen fühlte sich der Künstler zu 
Hause, da war es ihm weit wohler als bei dem feinsten Hochzeitsmahle. 
Brouwer, der von seiner Umgebung oft wegen seiner verwahrlosten 
Kleidung getadelt wurde, erschien einmal bei einer Hochzeit in einem 
höchst eleganten Sammetgewande. Alles war erstaunt, allgemein wurde 
der Künstler bewundert; bei dem Mahle aber sagte er, er sehe, dass 
heute nicht er, sondern seine Kleider gefallen, dass man nicht ihn, 
sondern eigentlich diese zu Tische gebeten, ihm aber seien diese völlig 
gleichgültig, und zum drastischen Beweise hierfür ergriff er zwei grosse 
Saucenschüsseln und lehrte sie über seinen Rock, machte Kehrt, liess die 
erstaunte Gesellschaft sitzen und lief zu seinen Brüdern in die Kneipe. 
14'
        

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