Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423912
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Leben und Kunst zweier niederländischer Bauernmaler des siebzehnten Iahrhunderts. 
niederländischen Malerei des I7. Jahrhunderts; er ist zugleich ein treff- 
licher Erzähler und als Kunstschriftsteller eine niederländische Charakter- 
iigur des I7. Jahrhunderts, in seinen originalsten Partieen nicht minder 
eigenartig und anziehend, als Brouwer oder Steen in ihren Gemälden. 
Brouwer scheint sein elterliches Haus sehr früh, etwa im Alter von 
16 Jahren, verlassen zu haben; er trieb sich dann wahrscheinlich in 
Holland umher, ein Abenteurerleben führend, wozu der Kriegsschauplatz 
ja die reichste Gelegenheit bot. Das erklärt zum grössten Theil die 
Schwächen von Brouwer's Charakter; in diesen Verhältnissen einen tüch- 
tigen Mann zu entwickeln, forderte die grösste Energie, das festeste 
männliche Wesen, einen tiefen Ernst. Von alledem aber war Brouwer 
gerade das Gegentheil. Brouwer's Portrait, das van Dyk 1634 malte und 
das uns durch dessen Ikonographie erhalten ist, zeigt einen hübschen, 
geistvollen Kopf, den das ungeordnete Haar wild umflattert; der starke 
Schnurrbart ist nicht sorgfältig nach aufwärts gestrichen, sondern rasch 
emporgezerrt; das feurige Auge glüht voll Leidenschaft; es ist eine 
geniale, aber wild erregte Natur, die aus diesen Zügen spricht. Brouwer 
war ein ganz ausserordentlich reichbegabter Künstler, aber er war, und 
wurde diess wohl hauptsächlich durch jenes jugendleben, ein Mensch 
ohne sittlichen Halt; er kannte nicht die Sorge vom Mittag bis zum 
Abend, geschweige denn bis auf den anderen Morgen; hatte er Geld, so 
brachte er es möglichst schnell an den Mann; geregelten Besitz kannte 
er nicht, er war ihm auch kein Bedürfniss. 
In Amsterdam, so erzählt Houbraken, wohnte der junge Brouwer 
bei einem Hauswirth van Zomeren; dieser sagte dem Künstler, er solle 
doch höhere Preise für seine Bilder, so z. B. etwa hundert Dukaten, 
fordern, er werde sie gewiss erhalten. Da kam eines Tages ein Herr 
von Vermandois und wollte ein Bild von Brouwer kaufen, und dieser 
forderte nun zögernd die hohe Summe. Herr von Vermandois willigte ein und 
zahlte sie sofort baar aus. Der Künstler, der nie so viel Geld beisammen 
gesehen, wusste nun vor Freude nicht, was beginnen. Um die Fülle des 
herrlichen Geldes recht zu geniessen, streute er es auf seinem Bette aus 
und wälzte sich darin nach Herzenslust. Bald jedoch wurde er dieses 
Vergnügens überdrüssig, sammelte sein Geld, verliess das Haus und kehrte 
erst nach neun Tagen zurück, froh den überflüssigen Ballast des Goldes 
über Bord geworfen zu haben. 
Brouwer muss in der That nicht unbedeutende Summen für seine 
Gemälde erhalten haben; die bedeutendsten Künster bewarben sich um 
dieselben; besass doch Rubens siebzehn, Rembrandt sechs Originale und 
zwei Copien nach Brouwer. Das frühe Vorkommen von Copien und 
Imitationen setzt es allein schon ausser Zweifel, dass Brouwer's Werke 
bereits zu seinen Lebzeiten ausserordentlich gesucht waren. Schon An-
        

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