Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423827
Leben und Kunst zweier niederländischer Bauernmaler des siebzehnten Iahrhxxnderts. 
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und der Landschaft freie Aussprache gewährt wurde, mussten diese Aus- 
geburten einer noch ungezügelten Phantasie zu bedeutungslosen Spielereien 
herabsinken, und sie treten auch demgemäss bei Teniers wesentlich zurück, 
namentlich in den besten Bildern, wie z. B. in der Versuchung des 
hl. Antonius in Dresden, wo bezeichnend die Hauptfigur unter den Spuk- 
gestalten der Teufel in der Gestalt eines verführerischen Weibes bildet. 
Die Landschaft, die in Teniers' Sittenbildern häufig eine so grosse 
Rolle spielt und nicht selten, wie z. B. auf der schönen Bauernkirmes 
von 1652 in Brüssel oder auf der Landschaft mit den Fischern im Louvre, 
ein hervorragendes Verständniss für fein empfundene Stimmung zeigt, 
hat der Künstler zuweilen auch selbständig zum Vorwurf genommen, wie 
auf der höchst reizvollen Winterlandschaft im Belvedere in Wien. Durch 
seine schlichte Auffassung, sowie durch seine feine Empfindung für die 
Stimmung nimmt Teniers unter den Antwerpener Landschaftsmalern des 
siebzehnten Jahrhunderts nach dem grossen Rubens wohl die erste Stelle 
ein. Auch als Thiermaler begegnet uns der Künstler, abgesehen von den 
Hausthieren, die er auf manchen seiner Sittenbilder mit so viel Liebe und 
Geschick in den Vordergrund setzt, z. B. auf dem Bilde im Louvre, wo 
zwei Falken einen Reiher bewältigen. 
Sehr bezeichnend für Teniers sind einige vorzügliche, grössere Bilder 
des Meisters, die man historische Sittenbilder nennen kann. Es sind ent- 
weder historische Ereignisse, die der Künstler aber wesentlich von ihrer 
sittenbildlichen Seite auffasst, wie der Einzugilsabellefs in Vilvoorden und 
der in Brüssel, beide im Museum zu Kassel, oder es sind sittenbildliche 
Darstellungen, wie die Versammlung der Sebastiansgilde auf dem 
grossen Markt zu Antwerpen, die aber durch eine Reihe von Portraits, 
wie hier Teniers mit seiner Familie und andere berühmte Künstler vor- 
kommen uncl durch die Handlung, die das Ganze verknüpft, an das 
Historienbild streiten. Das bedeutendste dieser Bilder ist wohl das Vogel- 
schiessen des Prinzen Leopold in Brüssel, I652 gemalt , das die Wiener 
Belvederegalerie besitzt. Teniers zeigt sich hier zugleich als vorzüglicher 
Portraitmaler, wie auch auf dem Portrait eines alten Mannes im Wiener 
Belvedere oder auf dem Bilde der Berliner Galerie, wo er sich, seine 
Gattin, zwei seiner Söhne und seinen Bruder Abraham darstellt, wie sie 
auf einer Terrasse, die in einen Garten führt, zu einem kleinen Familien- 
concert versammelt sind. Charakteristisch ist bei diesem Bilde für den 
auf allen Gebieten thätigen Meister, bei dem aber doch stets wieder der 
Maler des Sittenbildes durchblickt, dass das Portrait durch die Handlung, 
welche die Anwesenden vereint, durch die das Ganze anmuthig belebt wird, 
doch wieder zum Sittenbilde wird. 
Das Sittenbild war eben Teniers' eigenstes Feld, die seltene Viel- 
seitigkeit, die den Künstler aber auch hier wieder auszeichnet, die Eigenart
        

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