Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423772
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Leben und Kunst zweier niederländischer Bauernmaler des siebzehnten Jahrhunderts. 
 
der Seite tragen, erhielt an goldener Kette des Erzherzogs goldenes 
Portrait, und als am 5. Februar 165 3 Teniers' fünftes Kind in der Konden- 
berg-Kerk getauft wurde, da empfing es den Namen Iustinus Leopold, 
und als Pathe erschien in Vertretung des Erzherzogs Don Iuan de Velasco 
Graf von Salazar. 
Während dieser Periode, die auch künstlerisch als die glänzendste des 
Teniers erscheint, verdient seine Thätigkeit als Galerie-Director besonderes 
Interesse. Das eifrige Studium, das er der Galerie widmete, erhellt schon 
aus den zahlreichen kleinen Bildchen, in denen er einzelne Gemälde der- 
selben copirte, und von welchen die meisten, etwa I2O Stück, sich im 
Besitze des Herzogs von Marlborough befinden. Sehr interessant sind 
auch die Gemälde, welche die ganze Galerie darstellen, wie sie Teniers 
geordnet hatte, von denen sich vier in München, weitere in Wien, Brüssel 
und Madrid befinden. Die wichtigste Leistung des Künstlers auf diesem 
Gebiete war, dass er die Sammlung des Theatrum pictorum veranlasste, 
welches in einer Reihe von Stichen (in der Auflage von I660 243 Blätter) 
die Gemälde der Galerie reproducirt, so dass es den ersten bedeutsamen 
Versuch einer Galerie-Publication bildet. 
Teniers' Vermögensverhältnisse waren damals, wie gesagt, äusserst 
günstig; bei seiner Ankunft in Brüssel miethete er ein Haus für 525 Gulden, 
dann kaufte er am 23. März 1656 um die bedeutende Summe von 5500 
Gulden einen Bauplatz, um sich ein prächtiges Haus zu errichten, zu 
dessen Vergrösserung er später noch ein anstossendes Haus mit Hof 
erwarb. Teniers' Wohnung war geschmackvoll eingerichtet; er hatte 
silbernes und goldenes Tafelservice; nur mit der Dienerschaft scheint er 
etwas sparsam gewesen zu sein, da sie nur aus den Mägden Anna und 
Susanna und dem taubstummen Knechte Caspar Georg bestand. Das 
Jahr 1656, in dem mit dem Beginn seines stattlichen Hausbaues der 
Künstler auf dem Höhepunkt seines Glanzes ankam, wurde leider ein 
ausserordentlich trübes für ihn, denn am II. Mai I656 starb seine Gattin 
Anna, die mit allem Prunke in der Koudenbergkirche beigesetzt wurde 
und schon nach elf Tagen folgte der Mutter ihr zehnjähriges Töchterchen 
Klara. 
Teniers hatte noch vier Kinder, David, der Älteste, der I8 Jahre 
zählte, wurde später Officier, Cornelia, 16 Jahre alt, heirathete nachher 
den Maler Erasmus Quellinus, Anton, ein Knabe von 8 Jahren, das Pathen- 
kind des Genter Bischofs Antonius Triest, wurde Minorit, und Leopold 
wurde Secretär von Vilvoorde. 
Bei dem stattlichen Hausstande erscheint es, zumal dies damals 
nichts Aussergewöhnliches war, begreiflich, dass Teniers bereits fünf Monate 
nach dem Tode seiner Frau, nämlich am 21. October 1656, seine zweite 
Ehe einging mit der sehr vermögenden Isabella de Fren, Tochter des
        

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