Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423762
Leben und Kunst zweier niederländischer Bauernmaler des siebzehnlen Jahrhunderts. 
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kann Teniers nach seiner Hochzeit allerdings nur zu Pieter Brueghel dem 
Jüngeren, dem schwachen Fortsetzer der Kunst seines Vaters, gehabt 
haben, jedoch starb auch dieser schon 1637 oder 1638; nur der 1601 
geborene Jan Brueghel, ein Schwager des Teniers, könnte hier etwa noch 
in Betracht kommen. Dass Teniers die Werke des alten Pieter sowie des 
Jan Brueghel stets eifrig studirte und ihnen viel Anregung verdankte, ist 
nicht zu bezweifeln, und da war es für ihn jedenfalls von hervorragendem 
Interesse, dass er durch seine Frau Gemälde und viele Zeichnungen, also 
wohl die Studien des Jan Brueghel, erhielt. 
Teniers führte in Antwerpen ein reges, geselliges Leben; er wurde 
Mitglied der Rederyk-Kammer der Violiere und betheiligte sich fleissig 
an deren Mahlzeiten; er gewann eine allgemein geachtete Stellung und 
wurde am 19. September 1644 zum Vorstande der Lucas-Gilde gewählt. 
Am I3. April 1647 zog Erzherzog Wilhelm in Brüssel ein; die An- 
kunft dieses neuen Statthalters war massgebend für Teniers' weitere 
Lebensstellung. Leopold Wilhelm war neben Karl I. von England und 
Philipp IV. von Spanien wohl der bedeutendste Sammler des siebzehnten 
Jahrhunderts. Seine werthvolle Sammlung vermachte er unter dem 
9. October 1661 als wdas vornehmste und mir liebste StüCka seiner Ver- 
lassenschaft an Kaiser Leopold I. Um diese Sammlung zu erwerben, 
bediente sich Leopold Wilhelm des Teniers, der auch Bücher und Stiche 
für ihn einkaufte. Auch dem Grafen Fuensaldana war Teniers bei der 
Erwerbung einer Gemäldegalerie behülflich; zum Ankauf von Bildern für 
denselben wurde er nach London geschickt und erhielt dann von dem 
Grafen zum Dank für seine Bemühungen eine goldene Kette. Teniers 
hatte in den vornehmen Kreisen mehrfache Gönner; Christine von Schweden 
schenkte ihm ihr in Gold ausgeführtes Portrait an goldener Kette; Wilhelm II. 
von Oranien und vor Allem Philipp IV. von Spanien begünstigten ihn, 
und Letzterer erwarb eine grosse Reihe Gemälde des Meisters, wodurch 
das Madrider Museum in den Besitz der meisten (nämlich fünfzig) in 
einer Galerie vereinigten Werke des Künstlers gelangte. Der Künstler 
scheint übrigens auch ausserdem mit Madrid in geschäftlicher Verbindung 
gestanden zu haben, da er dem Kunsthändler Ernst Woslauski daselbst 
einmal für 5400 Gulden Gemälde zum Verkaufe sandte. 
Teniers erwarb jedoch nicht allein die Gemäldegalerie des Erzherzogs, 
sondern nach dessen Wunsch sollte er auch deren Verwaltung besorgen 
und wurde desshalb nach Brüssel berufen, wohin er 1651 übersiedelte. 
Die ersten fünf Jahre in Brüssel gehörten jedenfalls zu den glücklichsten 
für Teniers. Er lebte in glänzenden Vermögensverhältnissen, hatte als 
Vorstand der Galerie des Erzherzogs eine Thätigkeit, der er sich mit 
voller Begeisterung widmete; er wurde vom Erzherzog zum Ayuda de 
camera ernannt und durfte als solcher im Palais den Ehrenschlüssel an
        

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