Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423750
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und Kunst zweier niederländischer Bauernmaler des siebzehnten Jahrhunderts. 
Leben 
er versuchte dann durch Häuserspekulationen wieder zu Geld zu kommen, 
beging dabei aber die Unredlichkeit, Geld auf ein Haus aufzunehmen, das 
bereits ganz mit Schulden belastet war, und kam desshalb 1629 in das 
Antwerpener Schuldgefängniss. Den 25. Juli 1629 half hier David Teniers 
der Jüngere dem Vater eine Vollmacht an Peter le Roy ausstellen. Später 
scheint David Teniers der Aeltere einen ausgedehnten Bilderhandel 
betrieben zu haben, da wir hören, dass er den 16. Januar 1635 auf den 
Markt zu" Saint-Germain geht, um seine und seiner Söhne Arbeiten zu 
verkaufen, für die er viel Geld löste, und schon den 12. Januar 1628 hatte 
er erklärt, dass er die Vormundschaft über die Kinder seines Bruders nicht 
annehmen könne, da er, um seine Bilder zu verkaufen, genöthigt sei, oft 
die Stadt zu verlassen, Am 29. Juli 1649 machte David Teniers der 
Aeltere sein Testament und scheint bald darauf gestorben zu sein. 
Die harte Jugend, die David Teniers der Jüngere mit seinen vier 
Brüdern, von denen drei gleichfalls Maler wurden, durch das Verschulden 
seines Vaters hatte, scheint von bestimmendem Einfluss auf die Ent- 
Wicklung seines Charakters gewesen zu sein; seine Sparsamkeit, sein 
Streben nach geordneten F amilienverhältnissen, sein Wunsch, der bevor- 
zugteren Classe der Gesellschaft anzugehören, erklären sich daraus; er 
hatte das Elend ungeordneter Wirthschaft kennen gelernt und strebte 
daher vor Allem, sich zu angesehener und geachteter Stellung empor- 
Zuarbeiten.  
Im Jahre 1633 wurde David Teniers als Freimeister in die St. Lucas- 
Gilde aufgenommen. Den 4. Juli 1637 verlobte sich der Künstler mit 
Anna Brueghel, der Waise des Sammet-Brueghel. Bei dieser Verlobung 
wie bei der am 22, Juli folgenden Hochzeit erscheint Peter Paul Rubens, der 
Vormund der Anna Brueghel, als Zeuge. Die Ehe mit Anna Brueghel 
war für Teniers ein grosses Glück. Teniers, der sich selbst schon Einiges 
erarbeitet hatte, denn seine Malereien und dergleichen werden damals auf 
2400 Gulden geschätzt, wurde durch Anna zum wohlhabenden Mann; 
sie brachte Güter im Werthe von 7037 Gulden mit und erhielt am 
23. October 1642 auch ihr väterliches Haus. Teniers gesellschaftliche 
Stellung wurde bedeutsam gehoben, weil er durch seine Frau in so nahe 
Beziehung zu Rubens kam, dessen Gattin Helene auch am 10. Juli 1638 
mit Teniers' Vater den ältesten Sohn des Malers in St. Jakob über die 
Taufe hob. Durch die nahen Beziehungen zu Rubens gewann aber auch 
vor Allem der Künstler Teniers, der gerade in seinen besten Werken 
einen entschiedenen Einfluss Rubensscher Kunst zeigt; zugleich war es 
aber für den Künstler nicht unwichtig, dass er durch diese Heirath in so 
innigen Zusammenhang mit der Familie kam, deren bedeutendster Meister, 
Pieter Brueghel der Alte, geradezu der Hauptbegründer des Sittenbildes 
in der Antwerpener Schule genannt werden muss. Persönliche Beziehungen
        

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