Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423676
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Michelangelo 
Buonarroti. 
vollen Behandlung, die Michelangelo bis in alle Details erstreckte, gewiss 
äusserst schlagend und malerisch in der Wirkung geworden wäre. 
Es ist bekannt, dass Michelangelo den Maler zu verleugnen pflegte, 
sich dagegen mit Stolz als Bildhauer und Architekt bekannte, und doch 
sind seine grossen Fresken die Hauptträger seines Ruhmes geworden, und 
war gerade er es, der dem Malerischen zur vollen Herrschaft in der 
Plastik und ebenso in der Architektur verhalf. Die Malerei bot ihm eben 
doch für sein so ganz individuelles, aus der Stimmung hervorgehendes 
Schaffen Mittel, die er nicht entbehren konnte, und deshalb musste auch 
bei dem Plastiker und Architekten das Malerische so maassgebend mit- 
sprechen. 
Voll und ganz entwickelte Michelangelo seine Eigenart als Architekt 
jedoch erst in seinen römischen Bauten, die dem Schlusse seines Lebens 
angehören. Auf dem Boden Roms allein konnte er seine ganze Kraft 
als Architekt entfalten; hier hatte er in den kolossalen antiken Ruinen 
eine Umgebung, die ihn als congenial anregte; hier allein konnten ihm 
Aufgaben zu Theil werden, die seiner Kraft entsprachen, wie der Umbau 
der Thermen des Diokletian, die Anlage des Kapitols, die Bauleitung von 
St. Peter. 
Die Thätigkeit Michelangelds auf dem Gebiete der Architektur zu 
charakterisiren ist mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft, hauptsächlich 
deshalb, weil die grossen Werke meist erst lange nach seinem Tode 
vollendet wurden, weshalb es häufig schwer ist, seinen Antheil von dem 
der Nachfolger zu scheiden, und wie wenig man ihn mit den letzteren 
zusammenwerfen darf, lehrt, glaube ich, die Geschichte der Plastik und 
Malerei deutlich genug. So wurden, wie sich dies z. B. bei St. Peter 
des Näheren beweisen lässt, Michelangelds architektonische Ideen nur 
verkümmert ausgeführt, und überdies mussten sie sich später manche 
wohlgemeinte Verbesserung gefallen lassen, wie das Langhaus bei S. Maria 
degli angeli und bei St. Peter, welche die Wirkung des Baues auf das. 
Empündlichste schädigten. 
Die Richtung auf das Grosse ist es, wie gesagt, die Michelangelds. 
Architektur in erster Linie bestimmt, sie ist ja an sich nichts Neues, ist 
vollkommen durch die ganze Entwicklung von der Früh- zur Hoch- 
renaissance begründet und gelangte in der römischen Architektur nament- 
lich durch Bramante zur Herrschaft; durch Michelangelo aber wurde sie 
mächtig gesteigert, besonders durch das Streben nach mächtiger Total- 
wirkung, der sich Alles bis in das letzte Detail unterordnete. Ein grosser 
Gedanke leitet das Ganze, wie bei dem Kapitol die bedeutende Idee, einen 
ganzen Platz als einheitliches Kunstwerk zu gestalten, wie der Gedanke 
des imposanten Raumes, der Michelangelo zum Centralbau führte, in 
S. Maria degli angeli und vor Allem in St. Peter. Erst 1546 übernahm
        

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