Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423462
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  o vielseitig die grossen Meister der Hochrenaissance gewesen: 
in Mail: von ihnen "a t ll Künstlern der Welt von denen 
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  q wir Kunde haben, beherrschte gleichmassig Plastik, Malerei 
o  und Architektur doch nur einer  Michelangelo Buonarroti, 
und zwar beherrschte er sie im vollen Sinne des Wortes, denn seine 
Thätigkeit war auf allen drei Gebieten gleich epochemachend. Bei keinem 
Künstler kann man daher mit solchem Rechte die Zeit, in der er lebte, die 
seine nennen, wie bei Michelangelo, denn keiner bedingte so das ganze 
künstlerische Schaffen seiner Periode, und seine Zeit, in diesem Sinne 
genommen, reichte noch weit über seine Lebensdauer hinaus. So ist 
Michelangelds historische Stellung von einer eigenartigen, unvergleichlichen 
Grösse, die Wirkung seiner Kunst eine so mächtige, wie die keines andern; 
und diese historische Stellung erklärt sich aus dem Charakter seiner 
Kunst, der so wahr, weil er ganz in der Eigenart des Mannes gründet, 
dessen Persönlichkeit uns einheitlich, geschlossen entgegentritt in steter 
Entwicklung nach einem festen Ziele. Das Streben nach dem Grossen, 
bald aber gesteigert durch seine Leidenschaft nach dem Mächtigen und 
Gewaltigen, ist das Ziel seiner künstlerischen Entwicklung; er war es, der 
die Riesenthat vollbrachte, der modernen Kunst das Gewaltige zu offenbaren. 
Die späten Werke, die Gräber der Medici, das jüngste Gericht, der Moses, 
die Kuppel von St. Peter, offenbaren diese Seite des Künstlers am gross- 
artigsten; obgleich die Gemälde an der Decke der sixtinischen Kapelle mehr 
befriedigen, allgemeiner ansprechen, liegt in den Spätwerken keine Ab- 
nahme, sondern, wenn man Michelangelo, wie er es fordert, ganz aus sich 
heraus beurtheilt, eine machtvolle Steigerung; sein ganzes Schaffen baut 
sich dann einheitlich in consequenter Entwicklung auf, und nicht schöner 
lässt sich dies ausdrücken, als durch die schlichten Worte, die Vittoria 
Colonna an den Meister richtete: iBewunderungswürdig erscheint mir, 
wie Ihr die Arbeit Eures ganzen Lebens als ein einziges Werk hin- 
gestellt habta
        

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