Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423342
Giovanni 
Bellini. 
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zu diesen Schöpfungen an; aber zur Aussprache seiner edlen Empfindungen 
wählt er die anmuthigsten unter ihnen, erfasst sie in ihrem tiefsten, ge- 
müthvollsten Wesen, das er gleich seinem Lichte poetisch zu steigern 
weiss. Welche Fülle von Motiven aber musste das Leben dem Künstler 
bieten, welcher die zartesten Stimmungen der heitern und der still träu- 
merischen Iungfrau, der aber auch das liebevolle Verhältniss zwischen 
Mutter und Kind so tief zu erfassen, so schön darzustellen vermochte. 
Crowe und Cavalcasellel) haben darauf hingewiesen, wie auf den beiden 
ersten der genannten Bilder das Bewegungsmotiv der Madonna und des 
Kindes im Wesentlichen dasselbe ist. Das ist richtig; aber gerade durch 
diese äusserliche Aehnlichkeit tritt uns erst recht schlagend die innere 
Verschiedenheit der Bilder entgegen, die weit interessanter und für den 
Künstler so sehr bezeichnend ist. Die Maria, zwischen der jugendlich 
kräftigen Gestalt des Ritters St, Georg und dem ernsten Paulus, blickt 
uns mit den offenen Augen so liebevoll an, als wollte sie von dem Glück 
erzählen, das für sie in dem netten, frischen Knaben liegt, der frei heraus- 
sieht und den sie liebevoll an sich drückt; die Madonna vor dem Vor- 
hange dagegen hat den Blick gesenkt, sie ist in stille Träumerei ver- 
sunken, wohl über ihren Liebling, der seine Augen ohne bestimmtes Ziel 
in das Weite schweifen lässt und dessen Gesicht jenen unbewussten Ernst 
zeigt, der bei Kindern, die bei feierlichen Situationen zugegen, häufig so 
rührend wirkt. Anders wieder die Madonna mit dem Cherubimreigen, 
eines der feinsten und stimmungsvollsten Bilder Bellini's. Das Kind hört 
die Engel singen; erstaunt, den Mund weit öffnend, starrt es nach oben, 
gebannt durch die himmlischen Töne; Maria aber sieht voll inniger Liebe 
auf ihr Kind. Die Auffassung _ist hoch poetisch und besizt zumal durch 
das Colorit gar feine Reize. Mit welcher Freude und liebevollen Hingabe 
Bellini an diesen Bildern gearbeitet, zeigt die sorgfältige Behandlung, das 
Eingehen auch auf das scheinbar nebensächlichste Detail, wie reizend ist 
auf der Madonna mit Georg und Paulus der Saum des Kopftuches der 
Maria ausgeführt; wie zart empfunden, wenn auch als nebensächlich nur 
angedeutet, die Landschaft mit dem kühlen Abendlicht auf der Madonna 
mit den Cherubim. Verfolgt man das im Detail, so ist es einem, als sehe 
man den Künstler vor seiner Staffelei, wie er voll Vergnügen an den 
Bildern arbeitet, sich an jeder Zier freut, die er zum Schmucke der Maria 
und ihrer Umgebung anbringen kann, und doch ordnet er dies Alles so 
fein unter, dass das Detail nirgends die Wirkung des Ganzen beein- 
trächtigt. 
in 
Von den grossen Altarbildern der Madonna 
der Sakristei von S. Maria dei frari und das 
mit Heiligen wurde das 
in S. Pietro martyre zu 
166.
        

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