Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423293
Bellini. 
Giovanni 
noch einzelne malerische Härten finden, wie in dem Gewand der Madonna 
und denen der Engel, ist nur natürlich. Das Altarbild stellt Maria dar 
mit dem Kinde auf dem Throne, zu ihrer Rechten Hiob, Johannes der 
Täufer und Franziskus, zur Linken Sebastian, Dominikus und der 
hl. Ludwig; an den Stufen des Thrones sitzen drei musicirende Engel. 
Es ist eine sogenannte santa conversazione; da aber der Begriff der santa 
conversazione, wie er uns für die venezianische Schule geläufig, wesentlich 
durch Bellini gebildet wurde, so müssen wir, um dessen Verdienst zu 
würdigen, einen kurzen Rückblick auf die Entstehung derselben werfen, 
Die katholische Kirche schreibt vor, dass die Heiligen, denen der 
Altar geweiht, durch Inschrift oder künstlerische Darstellung auf dem- 
selben namhaft gemacht werden sollen; man stellte daher die einzelnen 
Heiligen, die ja sonst in keinerlei Zusammenhang mit einander stehen, 
in plastischer oder malerischer Darstellung auf dem Altare nebeneinander, 
zuerst räumlich getrennt, Jeder für sich, ohne Beziehung zum Andern, 
rein als repräsentatives Andachtsbild gedacht; es war dies, nebenbei 
bemerkt, von grösstem Einfluss auf die Entwicklung besonders des 
italienischen Altarbildes und erklärt auch bei historischen Vorgängen die 
Anwesenheit von Heiligen, die diesen ihrer Lebenszeit nach nicht an- 
gewohnt haben können, wie z. B. Paulus und Hieronymus bei der Be- 
weinung Christi auf Boticelli's Bild in München.  
Mit der fortschreitenden, künstlerischen Entwicklung vereinigte man 
die Heiligen in einem Raum und gruppirte sie um die bedeutendste der 
Figuren. So sind auch auf dem Altarbilde für S. Giobbe die Heiligen in 
einer Halle um Maria versammelt, wobei die regelmässige Vertheilung 
der Figuren noch auf den Zusammenhang mit der älteren Schule hin- 
weist; die volle Freiheit der Composition in derartigen Gegenständen 
wagt erst Tizian beispielsweise bei seiner Madonna des Hauses Pesaro. 
Die Einheit des Bildes ist aber bei dem Bilde für S. Giobbe nicht nur 
eine äusserliche durch den Raum, sondern auch eine tiefere, künstlerische 
durch das Licht, das Maria so herrlich als den Mittelpunkt hervortreten 
lässt, das zugleich durch sein Spiel an dem glänzenden Kuppelmosaik uns 
ebenso wie bei den Bildern in S. Maria dei frari und in S. Zaccaria 
zeigt, welch bedeutende Anregung den venezianischen Coloristen die 
Kathedrale von S. Marco bot. Durch das Licht und zwar durch das 
Erfassen seiner poetischen Wirkung gewinnt Bellini eine tiefe, innere Ver- 
bindung seiner Heiligen; es ist das gemeinsame Gefühl glücklichen 
Daseins, stiller Andacht, weihevoller Stimmung, das die Anwesenden so 
innig verbindet; sie stehen nebeneinander, wie wir still beisammen stehen 
beim Anblick des herrlichen Sonnenunterganges; alles schweigt, weil die 
Stimmung, die der prächtige Anblick der Natur wachruft, uns ganz ge- 
fangen nimmt. Bellini giebt dieser Stimmung noch äusserlichen Ausdruck,
        

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