Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423268
Giovanni 
Bellini. 
157 
figuren von Johannes und Maria, die zwischen sich den Leichnam Christi 
halten, den Hintergrund bildet eine einfache Landschaft. Der Körper 
Christi, zumal dessen linke Hand, die etwas harten Falten, vorzüglich beim 
Mantel des Johannes, das Haupthaar des Apostels und dessen starr 
geöffneter Mund, der matronenhafte Typus und die hässliche Kopfbildung 
der Maria zeigen deutlich genug den Einfluss des Mantegna; aber der 
Versuch, den Schmerz, der die Gruppe durchbebt, auch durch die 
Stimmung des Ganzen auszudrücken, das Anschmiegen der Maria an 
Christus, der tiefe, innige Schmerz der Mutter, der Kopf Christi, 
dem wir das Ueberstehen der schwersten Leiden ansehen, der aber 
trotzdem einen so edlen und milden Ausdruck bewahrt hat, das sind 
Züge, die weit über Mantegnaüs Empfindungsleben hinausgehen. 
Die um 1472 entstandene Pieta im Dogenpalaste wurde 1571 so stark 
restaurirt, dass ein Urtheil über die einzelnen, besonders die coloristischen 
Qualitäten des Werkes, nicht mehr möglich ist. In einer grossen Land- 
schaft stehen hinter einem Altartische die dreiviertel lebensgrossen Halb- 
figuren Maria und Johannes, in ihrer Mitte den Leichnam Christi haltend, 
während links und rechts betend zwei Heilige knieen. Der Ausdruck der 
Maria ist hier noch sehr herb, der des Johannes noch hart und befangen, 
am bedeutendsten der schwersten Leidens in dem ausröchelnden Christus. 
Trotz aller späteren Veränderungen lässt sich übrigens das doch mit 
Sicherheit behaupten, dass das Bild ein für jene frühe Zeit höchst merk- 
würdiges Stimmungsbild gewesen sein muss, 
Seit etwa 1472, wo Bellini ein Altarbild: Madonna mit Heiligen für 
S. Giovanni e Paolo malte, das leider am I6. August 1867 mit Tizian's 
Tod des Petrus Martyr verbrannte, sehen wir ihn sein eigenstes Ziel 
bewusst verfolgen und wir besitzen von jetzt ab genug Werke, um ein 
klares Bild der weiteren Entwicklung des Künstlers zu gewinnen. Bellini 
erkannte also  wie es scheint  erst spät seine speziellsten Vorzüge 
und damit seine eigenste Aufgabe; es erklärt sich das daraus, dass er 
mit seiner Stimmungsmalerei etwas völlig Neues wollte und sich daher 
seinen Weg erst mühsam suchen musste, dann aber auch durch den Um- 
stand, dass nur durch die Oeltechnik im Gegensatze zu dem bis dahin 
angewendeten Tempera, deren volle Beherrschung Bellini etwa um 1479 
erlangte, dieses Ziel erst ganz erreicht werden konnte. Der Künstler, der 
die Oeltechnik nach Venedig brachte, war bekanntlich Antonello da Messina, 
welcher sie in der Schule der Nachfolger der van Eyck in den Niederlanden 
gelernt und sich um 1474 in Venedig aufhielt. Abgesehen von dem Ver- 
dienste, Bellini die Oeltechnik überliefert zu haben, mag auch Antonellos 
frisches, schlichtes Aufgreifen der Natur, das er gleichfalls von den 
Niederländern überkommen, und die naive Freude an der Natur von Ein-
        

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