Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423242
Giovanni Bellini. 
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sich hier jacopo als ein Mann von vielseitigen Interessen; er greift alles 
Mögliche auf, Landschaften, Häuser, Genrescenen und Thierstudien, dann 
aber auch antike Skulpturen; das meiste Interesse jedoch beanspruchen 
die Studien zu historischen Bildern, wobei das Neue Testament als das 
interessanteste hervortritt, und vor Allem Darstellungen, die gerade auf 
den jungen Bellini einen mächtigen Eindruck machen mussten, wie z. B. 
der Oelberg und die Kreuzigung. 1) 
Die bedeutende Originalität und künstlerische Kraft jacopos zeigt sein 
Gemälde des Gekreuzigten im Museo civico zu Verona. Das Bild hat 
durch Trübung der Farben, besonders durch rohe Uebermalung des Hinter- 
grundes, sehr gelitten; es steht im Ganzen noch auf dem Boden der alten, 
traditionellen Darstellung, hat manche Schwächen der Zeichnung; ver- 
hältnissmässig gut ist die Modellirung, der Kopf Christi hat etwas Gewöhn- 
liches, die coloristischen Mittel sind noch sehr primitiv, wie der ganze 
Hintergrund einheitlich düster blau gehalten ist, aber die überlebensgrosse 
Gestalt wirkt doch mächtig, und es hat etwas Grossartiges, dass die Um- 
gebung, dass alles Detail fehlt, nur am Fuss des Kreuzesstammes der 
Schädel Adam's liegt, auf den das Blut von Christi Füssen niederträufelt, 
der schmerzverzogene Kopf zeigt tiefste Trauer; es ist ein fast puritanisch 
düsterer Geist, der die Auffassung bestimmt; trotz allem Befangenen, was 
dem Bilde anhaftet, übt es heute noch einen mächtigen und erschütternden 
Eindruck aus, und nicht leicht wurde wieder gerade nach dieser Seite hin 
mit so einfachen Mitteln eine so bedeutende Wirkung erzielt; wie mag das 
Bild den jungen Giovanni ergriffen haben, dessen liebster Gegenstand in 
seiner ersten Periode die Beweinung Christi war; dass gerade der Schmerz 
dem Menschen zuerst die Poesie der Stimmung offenbarte, ist tief in seiner 
Natur begründet. 
Zeugt das Skizzenbuch jacopos, wie er durch die Vielseitigkeit seiner 
Interessen, sein Gekreuzigter, wie er durch sein tiefes Empfinden Giovanni 
anzuregen vermochte, so mag ein drittes Werk, nämlich seine Madonna 
in der Akademiegalerie zu Venedig andeuten, wie der Vater auch auf 
diesem Gebiet, dem die eigensten und bedeutendsten Schöpfungen Gio- 
vannis angehören, sein Vorläufer war; selten setzte so schön, wie hier, der 
Sohn das Werk des Vaters fort und vollendete herrlich, was jener 
schüchtern begonnen. Das Bild, das auf dem alten Rahmen bezeichnet 
ist; wopus Jacopi Bellini Venetia, zeigt Maria als Kniestück hinter einer 
Brüstung, auf der ein Buch liegt und auf einem Kissen das Kind sitzt; 
der dunkle Hintergrund ist ganz mit Cherubimköpfen ausgefüllt. Trotz 
allem Alterthümlichen, Steifen und Befangenen hat das Bild doch etwas 
Skizzenbuch siehe Crowe 
ff. 
1) Ueber das 
Malerei. V. 102 u. 
Cavalcaselle 
Geschichte 
italienischen
        

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