Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423235
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Giovanni" 
Bellini. 
Greises zu vereinen und mit noch ungebrochener Kraft künstlerisch aus- 
zusprechen vermochte. 
Auf die erste Entwicklungsphase Giovanni Bellini's scheinen zwei 
Künstler maassgebenden Einfluss geübt zu haben, sein Vater Jacopo und 
sein Schwager Andrea Mantegna. Wie Bellini die EinHüsse dieser beiden 
verarbeitete, daneben aber schon früh sein eigenartiges Empfinden aus- 
spricht, das dann stetig Wächst, das zu beobachten ist von hervorragendem 
Interesse in der ersten Periode des Meisters, die wir etwa bis zu 
seinem vierundvierzigsten Lebensjahre ausdehnen müssen; dagegen ist es 
unmöglich, hier die Entwicklung des Künstlers im Einzelnen zu verfolgen, 
da die Werke dieser Zeit nicht datirt und soferne wir uns wesentlich auf 
die bezeichnete beschränken, was für die Charakteristik des Meisters ent- 
schieden wünschenswerth, auch nicht so zahlreich sind, als die der späteren 
Perioden. 
Der Einfluss des Jacopo auf Giovanni erscheint mir bedeutender, als 
man gewöhnlich annimmt; gerade die persönlichsten Neigungen Giovanni's 
fanden hier wesentliche Anregungen. Giovanni brachte wohl die ganze 
Lehrzeit in der Schule seines Vaters zu, unterstützte denselben auch bei 
der Ausführung grösserer Wandmalereien, wie dies wenigstens bei den 
Fresken beglaubigt ist, die Jacopo in S. Giovanni Evangelista in Venedig 
ausführte, wo wir den Untergang der achtzehn Scenen aus dem Leben der 
Maria um so mehr bedauern, als die Gegenstände originell und für Gio- 
vanni entschieden sympathisch und anregend gewählt waren, wie Maria 
fertigt als Kind priesterliche Gewänder; Joseph mit seiner Familie als 
Zimmermann, oder, der leidenschaftlicheren Seite des Künstlers entsprechend, 
die Begegnung Christi mit Maria auf dem Wege nach Golgatha u. a. m. 
Vor Allem musste der Vater Giovanni auf die ältere Schule von Murano 
und Venedig hinweisen, und deren Anregungen auf den jungen Künstler 
dürfen wir nicht unterschätzen, sie weckten den Sinn für grosse Formen, 
für Schönheit und Pracht der Farbe, und besonders das Letztere mag den 
Coloristen mächtig gefördert haben, obgleich Bellinfs Hauptproblem, nämlich 
die Stimmung, diesen Meistern noch fern lag, ihre coloristische Begabung 
sich lediglich darauf beschränkte, die Farbe wiederzugeben, wie sie den 
einzelnen Gegenständen anhaftet.  
 Durch seine Schule bei Gentile da Fabriano, noch mehr wohl durch 
den Aufenthalt in Florenz, hatte sich Jacopo eine künstlerische Bildung an- 
geeignet, die derjenigen der Maler, welche sich rein in der lokalen Schule 
V enedigs ausgebildet, entschieden überlegen war; Zeugniss dessen ist sein 
Skizzenbuch, das sich jetzt im britischen Museum befindet. jacopo ver- 
machte es seinem Sohn Gentile und dieser 1507 dem Giovanni unter der 
Bedingung, dass er dafür das Bild ,die Predigt des hl. Markus in Alexandrien' 
(Mailand Brera) vollende. Im Gegensatz zu den älteren Venezianern zeigt
        

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