Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423221
Bellini. 
Giovanni 
Charakters als wegen seiner Kunst. Ein Zeitgenosse, Francesco Negro, 
nennt im Beginne des I6. Jahrhunderts die beiden Brüder den Stolz Venedigs. 
Besonders charakteristisch sowohl für den gefeierten Künstler, als auch 
dafür, wie er in seiner Kunst überzeugungstreu seinen Weg ging, erscheinen 
die Unterhandlungen, welche die Marchesa Isabella von Mantua mit ihm 
führte, um in den Besitz eines Gemäldes des Giovanni zu gelangen. Die 
Marchesa, die ein den Bildern des Mantegna in ihrem Schlosse ent- 
sprechendes Werk des Giovanni haben wollte, hatte sich, um dies zu 
erreichen, der Vermittlung des Pietro Bembo bedient. Zuerst lehnte 
Bellini mit der Entschuldigung ab, dass er zu sehr beschäftigt sei, sandte 
aber zum Beweis seines guten Willens ein Bild mit der Geburt Christi. 
Bei den weiteren Unterhandlungen schreibt Bembo nach einem Besuch 
bei Bellini an die Marchesa, wdass die Festung geneigt sei, sich zu über- 
gebene, räth jedoch der Marchesa zu einem eigenhändigen herzlichen 
Schreiben an den Künstler; die Marchesa sendet dieses und später an 
Bembo die Anweisung über den Gegenstand, den sie dargestellt wünscht; 
in der Rückantwort vom I. August 1506 warnt sie jedoch Bembo, einem 
Mann, wder seine eigenen Wege zu gehen liebtea, zu viel vorzuschreiben; 
0b die Verhandlungen zu dem gewünschten Resultate geführt haben, ist 
unsicher. Bei weitem die interessanteste Mittheilung über Gi0vanni's 
Charakter danken wir aber Dürer. In dem Briefe vom 7. Februar I 506 
schreibt er aus Venedig an Pirkheimer, wie gut es ihm in Venedig 
gefalle, wie er da viele kunstsinnige Menschen und Freunde gefunden; 
nur über die Maler beschwert er sich, deren ihm viele Feind seien, jedoch 
trotzdem sein Werk nachahmten, dann aber wieder über seine Arbeit 
schmähten, indem sie ihr Vorwürfen, sie sei nicht antikischer Art; naher 
 fahrt er fort  Giambellin, der hat mich vor vielen Edelleuten sehr 
gelobt. Er wollte gerne Etwas von mir haben und ist selber zu mir 
gekommen und hat mich gebeten, ich sollte ihm Etwas machen, er wolle 
es gut bezahlen. Und die Leute sagen mir alle, was er für ein recht- 
schaffener Mann sei, dass ich ihm ebenso gewogen bin. Er ist sehr alt 
und ist immer noch der beste in der Malereimr In dem Bilde, das Dürer 
in so schlichter Weise von Bellini entwirft, tritt uns als das Charackte- 
ristische entgegen der milde, liebenswürdige Greis, denn Bellini war, als 
Dürer dies schrieb, etwa 78 Jahre alt, begabt aber noch mit jugendlicher 
Wärme des Empfindens und mit der Schaffenskraft des Mannes in den 
besten Jahren; vor einem Jahre ( I 505) hatte er ja erst sein Meisterwerk, 
die herrliche Madonna in S. Zaccaria, vollendet; gerade die Werke des 
Alters sind die hervorragendsten Leistungen BellinPs, und seine letzten 
Arbeiten beweisen, dass er bis in sein siebenundachtzigstes Jahr das warme 
Empfinden des Jünglings mit der friedlich heiteren, milden Auffassung des
        

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