Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1423212
Isg 
Giovanni Bellini. 
und dadurch glückliche Stimmung, die uns beseelt, wir sehen hinüber 
nach den fernen Bergen und denken an die traute Heimath. Das reine Glück 
stillen Abendfriedens, eigenartig schattirt durch den leise träumerischen, 
zuweilen fast etwas wehmüthigen Ton, wie ihn diese Umgebung anschlägt, 
das scheint die Stimmung, aus der Giovanni Bellini seine schönsten Werke 
geschaffen, im Gegensatze zu der glänzenden Pracht, der glühenden Leiden- 
schaft, die Tizian gemalt. Zu Tizians Kunst verhält sich die des Giovanni 
Bellini wie der Frühling zum Sommer. Die mühevolle, aber stetige Ent- 
Wicklung, das Keimen und Werden der Kunst Bellini's mit ihrem schüch- 
ternen, in früheren Werken oft noch etwas befangenem Wesen besitzt 
ihre eigenen Reize, die jener glänzenderen Kunst fern liegen; trotz ihrem 
bescheidenen Wesen besitzt sie eine grosse historische Bedeutung, sie 
begründet die venezianische Coloristik. 
Der Vater Giovannis hiess Jacopo Bellini; er war um 1400 geboren, 
lernte zunächst jedenfalls bei den älteren einheimischen Künstlern, trat 
dann aber in die Schule des Gentile da Fabriano, der sich wahrscheinlich 
1415-1420 in Venedig aufhielt und im Saale des grossen Rathes malte. 
Jacopo ging dann mit seinem Lehrer nach Florenz, wo er bis 1425 nach- 
weisbar, 1430 war er wieder in Venedig, 1436 in Verona, dann wieder in 
Venedig, etwa 1444-1460 in Padua, wahrscheinlich starb er vor 1464. 
S0 viel wir wissen, hatte Jacopo drei Kinder, zwei Söhne, Gentile und 
Giovanni, und eine Tochter Nicolosa, die der berühmte Andrea Mantegna 
heirathete; leider fehlen genaue Geburtsdaten. Gentile, der wohl 1426 
oder 1427 geboren wurde, erhielt 1474 den Auftrag, die Malereien im 
Saale des grossen Rathes auszubessern und zu vollenden. Als sich am 
1. August 1479 Sultan Mahomet II. von der Republik Venedig einen 
tüchtigen Maler erbat, sandte man ihm Gentile mit zwei Gehülfen, der im 
folgenden Jahre reich beschenkt und durch den Rittertitel geehrt nach 
Venedig zurückkehrte. Die bedeutenden Werke Gentiles, die erhalten 
blieben, gehören erst der folgenden Zeit an. Gentile, der nach einer 
Notiz seines Testamentes auch in Rom war, starb zu Venedig am 
23. Februar 1507. 
Giovanni Bellini wurde wahrscheinlich 1428 geboren, bei der Abreise 
seines Bruders nach Konstantinopel wurden ihm 1479 die Malereien im 
Saale des grossen Rathes übertragen, an denen er mit zahlreichen anderen 
Malern, später auch wieder mit seinem Bruder, bis zu seinem Tode thätig 
war; er erhielt die Anwartschaft auf einen Mäklerposten im Fondaco de' 
Tedeschi, wurde 1483 zum Staatsmaler der Republik ernannt; hochbetagt 
starb er am 29. November 1516 zu Venedig und wurde an der Seite 
seines Bruders in S. Giovanni e Paolo begraben. 
Giovanni genoss die höchste Achtung und Bewunderung seiner Zeit- 
genossen, und zwar offenbar nicht minder wegen seines treff liehen
        

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