Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422907
fürs Haus. 
Dürefs Kunst 
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darnach streben wird, wie seinen Schiller und Goethe, so auch seinen 
Dürer zu besitzen; er gehört ins Haus und, je mehr er in dasselbe kommt, 
desto mehr beweist das deutsche Volk, dass es seinen grössten Künstler 
versteht, zu ehren und zu lieben weiss. 
Das NVerk, mit dem Dürer seinen ersten durchschlagenden Erfolg 
errang, gehörte für das Haus, nämlich die Holzschnittfolge der Apokalypse, 
die 1498 erschien, an der er aber wohl schon bald nach der Rückkehr 
von seiner ersten Reise, etwa 1495, zu arbeiten begonnen hat. 1) 
Der Holzschnitt war eine echt volksthümliche Reproduktionsart, er 
diente zuerst besonders zur Darstellung von Heiligen, von lehrreichen 
Allegorieen, wie sie an den Kirchenthüren und auf den Jahrmärkten 
verkauft wurden, aber auch zu allen möglichen profanen Zwecken. Eine 
höhere Bedeutung gewann er, als er nicht lange vor Dürer's Auftreten zur 
Illustration gedruckter Bücher verwendet, an die Stelle der Miniaturen 
des Mittelalters zu treten begann; aber gegen jene hatte er den Vorzug 
der weitesten Verbreitung, er steht eben zu ihnen in dem Verhältniss vom 
Druck zur Schrift.  
Wie wir in Italien an den grossen Wandgemälclen die Entwickelung 
der Malerei des Mittelalters verfolgen, so im Norden an den Miniaturen. 
Durch die Miniaturmalerei, die besonders im späteren Mittelalter, vor 
Allem in der Handrischen Schule des I5. Jahrhunderts, Bücher mit den 
mannigfaltigsten Gegenständen zu illustriren hatte, besass die nordische Kunst 
eine Gelegenheit, ihre reiche Phantasie auszusprechen, war ihr das mannig- 
faltigste Stoffgebiet eröffnet, und dies ging über auf den Holzschnitt und 
das Werk, das wir gerade nach dieser, der historisch bedeutendsten Seite 
des Holzschnittes als eines der epochemachendsten bezeichnen müssen, 
nämlich die SchedeYsche Chronik, "die 1493 in lateinischer, 1494 in 
deutscher Ausgabe erschien, wurde von Dürer's Lehrer Wolgemut in 
Gemeinschaft mit Wilhelm Pleydenwurff illustrirt. Zur Aussprache der 
Fülle seiner Gedanken in volksthümlicher Form griff daher Dürer natur- 
gemäss zum Holzschnitt. 
Dürer knüpft an die Vorgänger äusserlich an, seine Holzschnitte sind 
entweder fliegende Blätter oder Bücher mit Text und Bildern, wie die 
Apokalypse und weiterhin auch die beiden Passionen und das Marienleben. 
Trotzdem findet sich aber ein mächtiger Unterschied schon zwischen den 
frühesten Holzschnitten Dürer's und den Werken seiner Vorgänger, er 
1) Das historische Material in Thausing's hiefür grundlegendem Buche: 
2. Aufl. Leipzig 1884. 
nAlbrecht Dürenw
        

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