Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422889
  (s er hl. Hieronymus in der Zelle, einer der schonsten Kupfer- 
Cfl 3 äl i   ,        
x stiche Durers, zeigt den Heiligen an seinem. Schreibtische 
f"  1n einer einfachen und behaglichen, mit grosster Sorgfalt 
IÖÜK mfä geordneten Stube. In dem Vordergrund derselben haben 
sich seine Begleiter, der Löwe und der Hund, zu einem kleinen Schläfchen 
im warmen Sonnenschein niedergelegt, Nichts stört den tiefen Frieden, 
nichts den Heiligen in seiner Arbeit, in die er ganz versunken. 
Man hat in neuerer Zeit viel über die tiefere Bedeutung dieses Blattes 
gesonnen; ich glaube aber, Dürer wollte hier ebenso wie auf dem Holz- 
schnitte von 1511 nichts Anderes geben, als den Hieronymus, wie er an 
seiner Bibel arbeitet; aber er erfasst den Gedanken mit solcher Wärme 
und Poesie, dass er eine allgemein menschliche Bedeutung gewinnt; es ist 
das Glück und der Friede stiller Geistesarbeit, die wohl nie schlichter und 
poetischer ausgesprochen wurden. Dürer schafft hier so wahr, ergreift so 
unmittelbar, weil er sein persönlichstes NVesen, seine eigenen, glücklichsten 
Stunden künstlerisch gestaltet, weil er von dem Frieden erzählt, den er 
selbst so oft empfunden, als er in dem Hause am Thiergärtnerthore, ebenso 
durch seine Gedanken dem Aeusseren entrückt, in seinem Arbeitszimmer 
die Zeichnungen zu seinen Holzschnitten machte und mit unendlichem 
Fleiss an seinen Stichen arbeitete; nur von Zeit zu Zeit ruht er ein 
wenig aus, freut sich der trauten, wohlgeordneten Stube und beobachtet 
mit Vergnügen das Spiel der Sonne, wie sie durch die Butzenscheiben 
scheint und die kleinen Ringe an die Wand zeichnet. 
Betrachten wir den hl. Hieronymus Dürer's, der so behaglich bei 
der Arbeit sitzt, aber näher, so mahnen uns die tiefen Falten, die sein 
greises Antlitz durchfurchen, dass er das Leben auch von anderer Seite 
kennen gelernt; wir erinnern uns, dass Dürer, der ihn ja gar oft dar- 
gestellt, auf einem frühen Kupferstiche den Heiligen zeigt, wie er in 
öder Felslandschaft, wo in wilder Schlucht seine kleine Klause liegt, vor
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.