Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422836
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Zwei Mönche 
S. Marco. 
entwickeln. Zuerst begegnet uns Bartolommeo in sturmbewegter Zeit, und 
unter Ereignissen, die ihn aufs Tiefste erschüttern mussten, malte er das 
jüngste Gericht, aber nicht als einen Akt der Rache, sondern als ein Bild 
göttlicher Grösse und Erhabenheit; in wenigen Figuren eine organische 
Komposition in harmonischem Linienfluss aufzubauen, die hehren Gestalten 
der heiligen Welt mit höchstem Seelenadel zu erfassen, der durch die 
Reinheit der Form Ausdruck gewinnen soll, von dem Kleinlichen des 
Tages sich loszulösen, um eine grössere, harmonische Welt darzustellen, 
das zeigt sich hier als das eigenartige Programm Bartolommeds, dem er 
auch durch sein ganzes Leben treu blieb. Am meisten fördert ihn in 
seinem Streben nach stilvoller Grösse Leonardo, der auch auf seine malerische 
Behandlung von grossem Einfluss war; auf diese wirkten dann die Vene- 
zianer, vor allem Giovanni Bellini, und so schuf er jene herrlichen, fein 
empfundenen Bilder des Jahres 1509 als ein Zeichen des Friedens, den er 
in sich gefunden. Mit der Kunst seiner Zeit fortschreitend, strebt er 
nach höherem, mächtigerem Leben; er geräth dadurch in einen gewissen 
Widerspruch mit seinem eigenen Wesen, wie bei der Madonna della 
misericordia, besonders auch dem grossen Bilde des Markus; er überwindet 
diese Periode aber bald, er findet sich selbst wieder, ist grösser und freier 
geworden durch seine neuen Ziele, und so entstanden am Schlusse seines 
Lebens neben zahlreichen, anderen bedeutenden Werken sein salvator 
mundi als das grossartigste seiner repräsentativen Andachtsbilder und 
seine Darstellung im Tempel, die in ihrer schlichten Grösse, in ihrem 
tiefen Ernst, zugleich aber auch durch die innige Liebe und den seelen- 
vollen Frieden, der die Gruppe verbindet,_so recht als der poetische Aus- 
druck dieses tiefen und edlen Charakters erscheint.
        

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