Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422821
VOD. 
Mönche 
Zwei 
Marco. 
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wenige Figuren stellt er das Ereigniss dar; die Komposition ist schön 
aufgebaut, dabei aber doch von beachtenswerther Freiheit. Bei der Be- 
weinung Christi tritt trotz des grossen Unterschiedes, den die verschiedene 
Entwickelungsstufe der Kunst begründet, namentlich in Christus eine 
entschiedene Congenialität mit Fiesole zu Tage; das Milde, Vergebende, das 
Friedvolle, das auch der schwerste Todeskampf dem Verkünder der Religion 
der Liebe nicht zu rauben vermochte, bestimmen auch hier die Auffassung 
Christi, aber wirken noch ergreifender, wo die Züge des edlen Antlitzes, 
der schöne, schmerzdurchzuckte Körper mit voller Wahrheit an jenen 
Kampf und jenes Leid mahnen. Maria ist neben der Leiche nieder- 
gekniet; liebend drückt sie das Haupt des Sohnes an sich, das sie mit 
ihrer Rechten aufrecht hält. Magdalena aber hat sich von Schmerz über- 
wältigt niedergeworfen, mit beiden Armen umschlingt sie Christi Beine und 
drückt sie voll Inbrunst an ihre Wangen; Johannes, der den Oberkörper 
Christi unterstützend fast theilnahmlos aus dem Bilde hSTHUSSlCht, spricht 
entschieden am wenigsten an. 
Dass das Dramatische, obwohl es in diesem Bilde der Beweinung in 
Christus und in Magdalena so bedeutend aufgegriffen wird, im Ganzen 
doch Fra Bartolommeo ferner lag, ist keine Frage; dagegen entsprach so 
recht seinem Wesen der Vorwurf der Darstellung im Tempel. Maria hat 
eben dem greisen Simeon das Kind, das sie noch besorgt an den Füssen 
hält, in die Hände gegeben, das Kind hat das rechte Händchen segnend 
erhoben und wendet sich nach der linken Seite des Bildes, wo neben 
Simeon eine Frau, wohl die Stifterin des Bildes, kniet, hinter der Hanna, 
während hier im Vordergrunde der greise Joseph steht. Die schön auf- 
gebaute Komposition zeigt zugleich volle Freiheit; Bartolommeo hat seine 
Vorzüge behalten, das Befangene aber, das früher in dem allzu Regelmässigen 
lag, glücklich überwunden. Ein ruhiger, tiefer Ernst liegt über der 
Gruppe, die vor Allem aber der Geist inniger Milde, seelenvollen Friedens 
beherrscht. 
In dem auf diese thatenreichen Jahre folgenden (I 517) starb Fra 
Bartolommeo am 3. August, sein Leben währte nur 42 Jahre; was er 
während derselben, obwohl er nach seinem Eintritt ins Kloster einige 
Jahre der Kunst entfremdet war, geschaffen, ist ausserordentlich viel, 
seine historische Bedeutung sehr gross, zumal durch den Einfluss, 
den er auf Raphael gewann, der sich aber auch bei einer statt- 
lichen Reihe anderer Künstler als sehr erheblich verfolgen lässt. Vor 
Allem aber fesselt bei Fra Bartolomrneo seine harmonische Persönlichkeit, 
sein stilles, würdevolles Wesen, sein grosses Streben und sein ernstes 
Wollen. Das Gebiet seiner Kunst war durch sein Leben, durch die Auf- 
gaben, die er sich stellte, vor Allem aber auch durch seinen Charakter ein 
beschränktes; aber innerhalb dieser Schranken sehen wir ihn sich bedeutend
        

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