Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422813
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Zwei Mönche von 
S. Marco. 
links von Christus. Das Bild wirkt dadurch nicht so harmonisch wie die 
beiden reizvollen Werke von 1509, die Lucca besitzt; man hat das Gefühl, 
dass der Meister, indem er die Schranken seiner Kunst durchbrechen will, 
in mannigfache Widersprüche geräth, die er erst im folgenden Jahre durch 
die veränderte Wahl der Gegenstände in der Assunta und dem salvator 
mundi überwindet. Das gesteigerte Leben, die frische Kraft der Madonna 
della misericordia verleihen aber doch dem Werke auch einen neuen eigen- 
artigen Reiz, es gewinnt durch sie den Ausdruck eines echten Festbildes, 
der Darstellung inniger Verehrung, zugleich aber auch des Jubels über die 
himmlische, die Menschheit schützende Jungfrau. 
Nur ein konsequenter Fortschritt der Entwickelung Bartolommeds 
ist es, wenn er bei den beiden grossen Altarbildern von 1516 das Ganze 
dadurch lebendiger gestaltet, dass er die Hauptfigur in einem historischen 
Momente, nämlich auf dem einen Christus in der Auferstehung, auf dem 
anderen Maria bei der Himmelfahrt darstellt. Auf der Assunta im Museum 
zu Neapel schwebt Maria auf einer Wolke verzückt zum Himmel empor, 
während am offenen Grabe Johannes der Täufer und Katharina von 
Alexandrien knieen. Interessante Studienzeichnungen zu diesem Bilde 
befinden sich in den Uffizien, so eine Röthelzeichnung der drei Haupt- 
Figuren, dann eine flüchtige Studie zur Maria und drittens ein sehr 
interessantes Blatt, eine Studie für die Haltung der Maria nach einem 
männlichen, blos mit einem Hemd bekleideten Modell gezeichnet. 
Der Auferstandene in der Galerie Pitti steht auf einem Piedestal vor 
einer Nische von grossartiger Architektur; die Gestalt ist lebhaft bewegt 
dadurch, dass er eben eine Stufe herabschreitet; die Rechte zum Segnen 
hoch erhoben, in der Linken den Stab mit dem Kreuze, blickt er milde 
hernieder. Am Fusse des Piedestals sitzen zwei reizende Engelknaben, 
die eine Scheibe mit dem Bilde der Welt halten, über der auf einem 
Untersatze mit der Inschrift: "salvator mundi" der Kelch steht; zu 
beiden Seiten stehen die vier Evangelisten, tiefernste Gestalten, ruhig, 
aber doch machtvoll in ihrem Wesen, gehören sie wie auch der Salvator 
mundi durch die bedeutenden Charaktere, die Bartolommeo mit seltener 
Kraft durchgebildet, zu den gelungensten Schöpfungen des Künstlers, dem 
zumal in den letzten Jahren seines Lebens diese Charaktere als ein Stück 
seines eigenen Wesens besonders nahe gelegen haben mögen. 
Mit der Darstellung Christi im Tempel von 1516 und der Beweinung 
Christi, die sicher auch in diese an bedeutenden Werken so merkwürdig 
reiche letzte Periode des Künstlers gehört, geht Bartolommeo zu eigent- 
liehen historischen Darstellungen über. Die beiden Werke, von denen das 
erstere in der kaiserlichen Galerie zu Wien, das letztere in der Galerie 
Pitti in Florenz, gehören zu seinen vollendetsten Arbeiten. Auch hier ist 
einfache Grösse, feierliche Würde das Charakteristische, nur durch ganz
        

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