Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422784
Zwei Mönche von 
Marco. 
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Baldachin auf der Verlobung der hl. Katharina. Unstreitig gehört das 
Bild zu den bedeutendsten Schöpfungen Bartolommeds, und wer d i e Kompo- 
sitionen, deren Aufbau sich in bestimmten, klar ausgesprochenen, geome- 
trischen Formen vollzieht, für die besten hält, muss diese schon wegen der 
verschiedenen Pyramiden, die sich in dieselbe zeichnen lassen, unbedingt 
als eine der vollendetsten anerkennen; wer aber bei klarer Gesammt- 
Wirkung volle Freiheit von einer guten Komposition fordert, den wird das 
allzu Regelmässige hier stören, er erkennt in ihm einen Nachklang alter Tra- 
ditionen, es erinnert ihn daran, wie die Komposition von der symmetrischen 
Anordnung ausging; gerade ihre reflektirte Durchführung berührt ihn 
unangenehm, es ist, als 0b der Künstler sich hingesetzt mit dem Gedanken, 
eine echte und rechte Musterkomposition zu entwerfen. Dagegen wird er 
den Fortschritt in den zahlreichen lebensvollen Motiven erkennen, durch 
die der Künstler jene Regelmässigkeiten aufzuheben strebt; wie gut unter- 
bricht er die immerhin noch kenntliche Mittellinie durch den kleinen 
Johannes, zu dem sich Christus wendet und durch die beiden Engel am 
Fusse des Thrones; die Anordnung ist ja zwar noch durchgehends eine 
correspondirende, aber sorgfältig vermeidet der Künstler eine ähnliche oder 
gar gleiche Stellung bei entsprechenden Figuren, wie z. B. von den beiden 
im Vordergrunde knieenden Männern der eine zur Maria, der andere 
dagegen nach dem Beschauer zu gewendet ist. Jeden aber werden an dem 
Bilde erfreuen die ernsten, männlichen Charaktere, die der Künstler hier 
schärfer und bedeutender als sonst, namentlich in den stehenden Heiligen, 
durchgebildet, der reine Schönheitssinn besonders bei den Frauen, die 
Anmuth und das frische Leben der Engel, und Alles in Allem betrachtet 
ist die Komposition eine der glücklichsten Leistungen Bartolommeds; 
einfach, voll Ruhe und Grösse, ist sie doch zugleich durchweg von frischem 
Leben erfüllt. 
Man hat wegen dieser grossen Vorzüge des Werkes oft bedauert, dass 
Bartolommeo dasselbe nicht vollendete; ich kann diesen Kummer nicht 
theilen, denn seine Studien und Entwürfe erscheinen meist weit interessanter 
als seine ausgeführten Gemälde; sein Streben nach grossen, bedeutenden 
Formen ist hier äusserst wirkungsvoll und der Mangel weniger fühlbar, 
dass die Gestalten zuweilen nicht genügend beherrscht, namentlich die 
Köpfe oft nicht hinreichend von charakteristischem Leben durchdrungen 
sind. Aeusserst reichen Genuss gewährt daher das Studium der Hand- 
Zeichnungen Bartolommeds in den Uffizien; sehr charakteristisch ist bei 
diesen, die meist Studien zu Gemälden, dass, obgleich sich auch gute 
Studien zu Köpfen vorfinden, in der Regel der Kopf nur Hüchtig skizzirt 
ist, dagegen das Hauptinteresse des Künstlers offenbar Haltung und 
Bewegung des Körpers sowie der grosszügige Faltenwurf bilden, dem 
Bartolommeo das eingehendste Studium widmete, was an VasarPs Erzählung 
Riehl, Kunstchamktere. 8
        

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