Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422741
Mönche von S. 
Zwei 
Marco. 
III 
beiden oberen Blumen streuen, die unteren Kränze halten. Unten schweben 
auf Wolken von links Magdalena, von rechts Katharina von Siena, in die 
Halle, die nach rückwärts den Ausblick in eine duftige Landschaft gewährt. 
Das Bild, dessen Kartons sich in der Akademie in Florenz befinden, ist 
schon durch seine gesteigerte Visionäre Stimmung von Interesse und kann 
koloristisch Wohl als das Meisterwerk des Künstlers bezeichnet werden. 
Während Katharina erregt zu Gott Vater emporblickt, sieht Magdalena 
den Blick schüchtern senkend auf den Beschauer; diese in einem träumerig 
wohligen Dasein erfasste Figur gehört zu den feinst empfundensten 
Gestalten Bartolommeds. Gott Vater ist von mildem Ernste erfüllt, gegen 
den die heiteren Engel in anmuthvoller Weise kontrastiren. Diese Engel- 
knaben, die man fast lieber Genien nennen möchte, gehören zu den voll- 
endetsten Schöpfungen des reinen Schönheitssinnes des grosse-n Meisters 
und sind zugleich höchst charakteristisch für seine ganze künstlerische 
Anschauung, die schönsten Gestalten in anmuthiger Bewegung scheinen 
ihm am besten Gottes Lob singen zu können, er scheint darin Fiesole 
verwandt, aber er lebt in einer anderen künstlerischen Welt, als jener und 
so schweben seine nackten Engel frei und leicht durch die Luft, völlig 
naturalistisch gestaltet, was den unbefangenen künstlerischen Sinn Barto- 
lommeds ebenso wie die oben erwähnten Aktstudien belegt. Trotz seinem 
bewussten Streben nach einer echt kirchlichen Kunst war er eben kein 
Zelot, sondern eine stille, ernste Natur voll Poesie und voll Friede, den 
gerade diese zarten Bilder, die er unter dem frischen Eindruck der 
venezianischen Stimmungsmalerei schuf, aussprechen; er scheint ihn 
wirklich im Kloster gefunden zu haben, aber nicht wie F iesole, der sich 
hier nur das Gut der Kindheit bewahrte, sondern als ein Mann, der nach 
schweren Kämpfen Friede fand in dem Ziel, nur mehr nach dem 
Reinen und Grossen zu streben. 
Für die Altarbilder, wie sie Bartolommeo in den Jahren 1509-1512 
in Gemeinschaft mit Albertinelli ausführte, scheint vor Allem das grösste 
und reichste derselben, die Verlobung der hl. Katharina in der Galerie 
Pitti von 1512, charakteristisch. Die Komposition ist mit sorgfältiger 
Ueberlegung disponirt, durch die Bewegungen eine allzu grosse Starrheit 
der Gruppen und Linien vermieden, dass dadurch das Ganze etwas 
absichtlich und studirt erscheint, ist leicht erklärlich. 
Die Mittelgruppe, Maria mit dem neben ihr stehenden Kinde auf dem 
Throne, vor dem Katharina von Siena, der Christus den Ring an den 
Finger steckt, und Katharina von Alexandrien knieen, baut sich, wie dies 
Bartolommeo liebt, als Pyramide auf, zu Füssen des Thrones sitzen zwei 
Engel, einer Viola, der andere Laute spielend, letzterer eine nur durch die 
veränderte Kopfhaltung variirte Wiederholung desjenigen auf dem Bilde 
im Dom zu Lucca. Um die Mittelgruppe stehen im Halbkreis vom Rande
        

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