Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422734
von S. 
Zwei Nlönche 
Marco. 
war doch auch eine zu echt künstlerische Natur, als dass er sich gegen 
die grossen Fortschritte der Kunst seiner Zeit hätte abschliessen können, 
wenn sie auch nicht so stark auf ihn einwirkt, wie wenn er mitten im 
Leben gestanden hätte. Zweimal besonders sehen wir fremde Kunst von 
Einfluss auf Bartolommeo, er begründet zwar nicht eine Wesentliche Um- 
gestaltung seiner Kunst, aber er spricht sich doch sehr deutlich in ihr 
aus, er scheint mit den beiden Reisen des Künstlers 1508 nach Venedig 
und 1514 nach Rom zusammenzuhängen. 
In Venedig war es offenbar Giovanni Bellini, der durch sein sinnig 
gemüthvolles Wesen, durch das Friedliche und Feierliche seiner Kunst, 
durch sein tieferes Empfinden und sein überlegenes Kolorit Bartolommeo 
besonders fesselte. Den nachhaltigen Eindruck der Werke Bellinfs zeigen 
vor Allem zwei der schönsten Bilder Bartolommeds, die thronende Madonna 
im Dom zu Lucca und das grosse Bild, Gott Vater, die hl. Magdalena 
und Katharina von Siena, das ehedem in S. Romano zu Lucca, jetzt in 
der Pinakothek daselbst. 
Bei dem ziemlich kleinen Madonnenbilde im Dom ist der Aufbau 
noch ganz regelmässig, auf einem Postamente sitzt in der Mitte des Bildes 
Maria, über ihr Haupt halten zwei schwebende Engel die Krone, zu ihrer 
Linken steht Johannes der Täufer, zur Rechten Stephanus, ihr zu Füssen 
sitzt ein reizender kleiner Engel, der singt und sich mit der Laute 
begleitet. Die beiden Heiligen, zu denen sich die Studienzeichnungen in 
den Uflizien befinden, sind noch etwas steif; sehr anmuthig und frei sind 
dagegen die beiden Engel mit der Krone bewegt und namentlich der 
reizende kleine Lautenspieler, der schon äusserlich auf den Einfluss 
Bellini's weist, der sich neben dem Leonardds dann noch bedeutender in 
der anmuthvollen Maria zeigt, in der äusserst duftigen malerischen 
Behandlung, in der feinen Zusammenstimmung der Farben und der zarten 
Modellierung, besonders in dem wirklich malerisch empfundenen linken 
Engel. Vor Allem aber dürfte auf die Anregungen BellinPs der sinnig, 
zarte Grundton des Ganzen, das Träumerische des Johannes zurückzu- 
führen sein. Das Bild, das offenbar mit besonderer Liebe und Sorgfalt 
durchgeführt wurde, steht in seinem heiteren Wesen, das ein stilles Glück 
in anmuthiger Form ausspricht, in einem gewissen Gegensatz zu den 
späteren grossartigen, ernst feierlichen Altarbildern des Meisters; 
Noch bedeutender, aber nicht minder selbständig verarbeitet, zeigt 
den Einfluss der Venezianer das zweite Bild von 1509 in der Pinakothek 
zu Lucca. Gott Vater thront von Engelsköpfen umgeben in den Wolken 1), 
unter seinen Füssen ein Engel mit dem Spruchblatte: "Divinus amor 
extasim facit", und auf jeder Seite zwei reizende Engel, von denen die 
Eine schöne Gewandstudie hierzu in 
Ufiizien.
        

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