Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422725
VOII 
Zwei Mönche 
Marco. 
109 
und Zeit. Die Kirche von S. Marco besass einst mehrfache Werke von 
ihm, wie die Verlobung der hl. Katharina (jetzt Pitti) und den gewaltigen 
Markus (Pitti); heute befindet sich daselbst noch das wahrscheinlich 1509 
gemalte schöne, aber leider sehr beschädigte Altarbild der Madonna mit 
vier Heiligen. Das Kloster selbst besitzt nur mehr einige kleinere Fresken 
des Frate, von denen aber die bedeutenderen erst in neuester Zeit aus 
Pian'di Mugnone hierher gebracht wurden. Ehedem über der Thür zum 
Refektorium befand sich das Bild, Christus als Pilger wird von zwei 
Klosterbrüdern empfangen, wahrscheinlich stammt es aus der Zeit (um 
1506), als Bartolommeo, der nach seinem Eintritt ins Kloster eine Zeit 
lang der Kunst ganz entsagte, zuerst wieder zum Pinsel griff; gleich dem 
hl. Dominikus in der Sammlung der Akademie, der zum Zeichen des 
Schweigens den Finger auf den Mund legt, erinnert das Bild schon 
äusserlich an Fiesole's Fresken im Kreuzgange, und es ist keine Frage, dass 
dessen Arbeiten in ihrer edlen Auffassung ebenso wie durch ihr Streben 
nach schöner Form und den grossen Stil, wie ihn besonders die Kreuzigung 
im Refektorium zeigt, F ra Bartolommeo bedeutsam anregten, soweit auch 
durch Zeit und Art die beiden Meister und ihre Kunst getrennt waren. 
Wie gross dieser Unterschied, zeigt ein Blick auf ein zweites in S. Marco 
auf bewahrtes Fresko, eine Madonna von 1514, die Fra Bartolommeo in 
Pian'di Mugnone malte. Diese Madonna, die sich voll Innigkeit zu dem 
Kinde neigt, um das sie ihren Mantel schlingt, ist ein Bild zärtlicher 
Mutterliebe, zugleich aber ist sie voll feierlicher Grösse, und das Kind, 
das seine grossen Augen direkt auf den Beschauer richtet, übt einen eigen- 
thümlich mächtigen Eindruck, wie weit ist von den anmuthvollen Traum- 
gebilden Fiesole's bis zu dieser eigenartigen Grösse. 
Das erste, bedeutendere Bild der nächsten Zeit zeigt deutlich den 
Einfluss klösterlichen Lebens auf Bartolommeds Phantasie; es ist die leider 
sehr beschädigte, im Frühjahr 1507 vollendete Vision des hl. Bernhard 
(Florenz. Akademie). Der Heilige kniet betend vor seinem Pulte, hinter 
ihm stehen der hl. Benedikt und Johannes der Evangelist, von der linken 
Seite schwebt Maria mit dem Kinde von Engeln umgeben auf ihn zu. 
Durch den Eintritt ins Kloster schloss sich Fra Bartolommeo ab und 
lebte still für sich, in seiner eigenen grossen Gedankenwelt, es hängen 
damit manche der Vorzüge des Künstlers zusammen, wohl aber auch eine 
gewisse Einseitigkeit seiner Kunst, die sich am deutlichsten in der be- 
schränkten Wahl der Stoffe seiner sich jetzt rasch folgenden Hauptwerke 
zeigt. Aber trotz seiner Zurückgezogenheit stand Fra Bartolommeo doch 
mehr im Zusammenhang mit der Welt ausserhalb des Klosters als Fiesole, 
es war dies schon dadurch bedingt, dass er die grossen Bilder auf 
Bestellung malte, mit der Aussenwelt verband ihn auch Albertinelli, mit 
dem er von 1509-1512 wieder gemeinsam arbeitete, und Bartolommeo
        

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