Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422719
Zwei Mönche 
Marco. 
siren. Wie weit ist diese Auffassung von der Fiesole's getrennt, wie viel 
tiefer das Problem gegenüber jener kindlichen Vorstellung von Himmel 
und Hölle; bezeichnend treten uns unter den Seligen bei Bartolommeo 
nicht nur Kinder, wie bei Fiesole, sondern zuerst würdevolle, ältere Männer 
entgegen. Bartolommeo fasst das jüngste Gericht als eine feierliche Hand- 
lung, weniger als ein mächtiges, momentanes Ereigniss auf. Seine Kom- 
position ist klar nach allen Regeln der Kunst aufgebaut und zum ersten 
Male bei diesem Gegenstande wirklich vertieft, er vermeidet alles Hässliche 
selbst bei den Verdammten; gerade hier in den von Schmerz überwältigten 
Gestalten bringt er schöne Motive, wie den schmerzvoll sich dehnenden 
Mann, besonders aber das weinende Weib und die Klage der schönen 
Frau, die ihr Gesicht verhüllt, ergreift sicher tiefer, als alle möglichen 
Teufelsfratzen. Ein grosser, edler Zug ist dem Ganzen eigen, das auch 
koloristisch nicht unbedeutend gewesen zu sein scheint, aber für den Gegen- 
stand ist die Auffassung doch zu kühl, die ruhige Haltung des Ganzen 
erfasst nicht die eigenartige künstlerische Bedeutung des dargestellten 
Momentes. Es gründet dies einerseits darin, dass Bartolommeds stiller 
Natur die mächtige, momentane Aktion fern lag, andererseits aber auch 
entschieden in dem Umstande, dass er die Absicht hatte, eine kirchlich 
feierliche Darstellung zu geben, dass er der erste ist, der bewusst nach 
einem speciell kirchlichen Stile strebt; gerade für dieses hohe, fürden 
Künstler aber auch sehr gefahrvolle Streben mag Savonarola von mass- 
gebendem Einfluss auf Bartolommeo gewesen sein. Fra Bartolommeo 
steht hier in direktem Gegensatze zu Fiesole, dessen Frömmigkeit in der 
Kunst völlig naiv ist, er malt fromm, weil es sein ganzes Wesen ist, seine 
Phantasie nur in dieser Anschauung lebt, Bartolommeo dagegen will 
fromm malen, strebt nach einer speciell dem Kirchlichen entsprechenden 
Kunst. 
Eine Veränderung der künstlerischen Ziele Bartolommeds tritt mit 
seinem Eintritt in das Kloster nicht ein, man kann das gegenüber der 
Darstellung des jüngsten Gerichtes auch nicht erwarten, gleichwohl aber 
war dieser Eintritt eine Thatsache, die von massgebendstem EinHuss auf 
Bartolommeds Kunst war. In S. Marco, das heute noch den Hauptort 
für das Studium Fiesole's bildet, findet sich jetzt nur wenig mehr von 
Bartolommeds Kunst, der hier mit so ausserordentlichem Fleiss gearbeitet. 
Dass heute noch so viel von Fiesole, nur mehr so wenig von F ra Barto- 
lommeo sich in den Klosterräumen befindet, ist nicht zufällig. Fiesole 
arbeitete in erster Linie für sein Kloster, er schmückte den Kapitelsaal, 
die Zellen der Brüder mit Fresken; Bartolommeo arbeitete auch für das 
Kloster, aber in anderer Weise, indem er grosse Altarbilder malte, die 
meist um bedeutende Preise verkauft wurden; Jahre an die Ausmalung 
der Zellen und Gänge des Klosters zu verwenden, lag nicht in seiner Art
        

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