Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422689
Zwei 
V01] 
Mönche 
Marco. 
105 
Fünfundfünfzig Jahre, nachdem Fiesole das Kloster von S. Marco 
verlassen, um nach Rom zu ziehen, trat Bartolommeo Pagholo dell Fat- 
torino, gewöhnlich Baccio della Porta genannt, zu Prato in den Domini- 
kanerorden (26. Juli 1500) und lebte dann bis zu seinem am 3, August 
1517 erfolgten Tode im Kloster von S. Marco, wo er auch seine letzte 
Ruhestätte fand. Fiesole steht als ein Meister, der noch stark an der 
älteren Kunstrichtung hängt, am Beginne der Frührenaissance, Fra Barto- 
lommeo, wie man ihn gewöhnlich mit seinem Klosternamen nennt, gewinnt 
seine Hauptbedeutung dadurch, dass er einer der hervorragendsten jener 
Künstler ist, welche den Uebergang von der Früh- zur Hochrenaissance 
herbeiführen. Schon dadurch trennt eine weite Kluft die beiden Meister, 
und ebenso war eine Persönlichkeit und damit eine Kunst wie die des 
Fiesole in der ersten Hälfte des I5. Jahrhunderts noch möglich, nicht mehr 
aber im Beginne des I6. Jahrhunderts. Die schweren Kämpfe, die Florenz, 
besonders auch das Kloster von S. Marco inzwischen durchlebt, lassen ein 
so kindlich unbefangenes Gemüth nicht mehr aufkommen, die reifer ent- 
wickelte Kunst hatte den schlicht heiteren Charakter verloren und ihre 
Uebung forderte einen Meister, der mehr als Fiesole mitten im Kunst- 
leben von Florenz stand. Gleichwohl besitzen beide Meister vielfach ver- 
wandte Züge, bedingt durch das klösterliche Leben, das sie in denselben 
Räumen führten, sind beide ideale Charaktere mönchischen Lebens und 
haben es beide gleich gross in der Kunst ausgesprochen, aber entgegen 
dem heiter seelenvollen, kindlichen Fiesole erscheint F ra Bartolommeo als 
der ernste, in schweren Kämpfen gereifte Mann, der in seiner Kunst nach 
dem Grossen und Edlen strebt, um dadurch seinen religiösen Gestalten 
den würdigsten Ausdruck zu verleihen. 
Fiesole trat schon mit zwanzig Jahren in das Kloster, um Gott zu 
dienen und die Ruhe zu finden, die er für seine Kunst bedurfte; Fra 
Bartolommeo war fünfundzwanzig Jahre alt, er hatte eine ernste Jugend 
durchlebt, Vater und Mutter früh verloren, bei einem erschütternden Er- 
eignisse, dem Kampfe in S. Marco am 23. Mai 1498, wo er seinen Freund 
Savonarola zu schützen versuchte, gelobte er, Dominikaner zu werden. 
Schon der enge Anschluss Bartolommeo's an Savonarola, dessen Bildniss 
er wiederholt malte, zuletzt wohl ziemlich lange nach Savonarola's Tod als 
Petrus Martyr (Florenz. Akademie), ist bezeichnend für Bartolommeds Rich- 
tung, noch mehr aber die Erzählung Vasari's, dass es Baccio gewesen, der 
auf Savonarolaüs Verbot der Darstellung des Nackten in der Kunst in den 
Fastnachtstagen 1497 und 1498 durch das Verbrennen seiner Studien, 
andere Künstler veranlasst habe, ein Gleiches zu fthun. Es liegt kein 
Grund vor, Vasaris Erzählung zu bezweifeln, aber sicher war dies nur 
eine fanatische That des Augenblicks, zu der Bartolommeo durch die 
zündende Beredsamkeit Savonarolefs hingerissen wurde; später aber, als
        

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