Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422670
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Zwei Mönche von 
Marco. 
Kinde, sowie in den harmlos umherspazierenden Kindern. Die Gemälde, 
die den Tod der beiden Märtyrer schildern, sind entschieden die wenigst 
gelungenen, obgleich sich auch bei ihnen interessante Züge finden; was 
Fiesole an der Legende der beiden Heiligen am meisten anzog, was er 
auch am eingehendsten und originalsten schilderte, war ihr segensreicher 
Lebenswandel, wie sie als Diakonen geweiht werden, wie sie lehren und 
Almosen spenden, wie der heilige Laurentius das Kirchengut erhält, um 
es unter die Armen zu vertheilen, auch wie sie ruhig, Gott ergeben vor 
den Richter treten, das sind Scenen, die er mit ganzem Herzen ergriff, für 
deren Darstellung ihm das eigene Leben reiche Motive gab, in denen er 
gewissermassen sich selbst, sein Wollen und seinen Charakter zur Dar- 
stellung brachte, das einfach klare Wesen, das stille Glücklund den Frieden, 
die ihm durch das ganze Leben treu geblieben zu sein scheinen. Den 
Werken des älteren Mannes eigen ist ein gewisser ruhiger Ernst, der sich 
in seinen männlichen Gestalten, wie hier in den Evangelisten oder dem 
hl. Bonaventura ausspricht, der vor Allem auch die Wahrhaft grossartigen 
himmlischen Richter beim jüngsten Gericht in Orvieto adelt, wo Fiesole 
übrigens offenbar nur zwei Gewölbfelder ganz ausführte, nämlich Christus 
zwischen den Engeln und dem Chor der Propheten. 
F iesole's Leben Hoss ruhig dahin; die Ruhe, die er als erste Forderung 
zu gesammelter, künstlerischer Arbeit für nöthig hielt, war ihm in selten 
reichem Maasse bescheert, durch die äusseren Verhältnisse seines Lebens, 
vor Allem aber auch durch sein glückliches Naturell. Fiesole arbeitete in 
der Stille, aber der Einfluss, den er auf die Florentiner Kunst des I 5. Jahr- 
hunderts übte, war unberechenbar gross, er arbeitete in der Stille seinem 
ganzen Wesen entsprechend ohne Streben nach äusserem Erfolg, aber 
heute noch gehört er zu den populärsten Künstlern nicht nur Italiens, 
sondern der Welt. 
Fiesole starb 145 5 achtundsechzig Jahre alt zu Rom und wurde in 
S. Maria sopra Minerva begraben, wo sich sein Grabstein erhalten. Er 
zeigt das Portrait des Künstlers in ganzer Figur, das Haupt ruht auf 
einem Kissen, er hat soeben die Augen zum letzten Mal geschlossen, ein 
milder Friede spricht aus den Zügen, die Wangen sind ganz eingefallen, 
der Bildhauer hat ihn offenbar auf dem Todtenbette porträtirt, die Skulptur 
ist keine bedeutende Arbeit; aber auf Jeden, der den Künstler und seine 
Werke kennt, wird das schlichte Denkmal doch stets einen rührenden Ein- 
druck machen. Unter demselben findet sich die schöne Inschrift?) 
„Heimath war mir Florenz, Hetruriens herrliche Blume, 
Sie hegt irdisches Werk, Bess'res der Himmel von mir: 
Denn nicht werde mein Ruhm, dass ich war wie andrer Apelles, 
Sondern dass all mein Thun, Christus, den Deinigen galt." 
1) Ich gebe die Verse nach der deutschen Uebersetzung bei Crowe und Cavalcaselle 11. 72.
        

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