Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422654
Marco. 
Zwei Mönche von 
noch alles in einer Fläche übereinander gereiht ist, er strebt nach Gruppirung 
und freierer Bewegung, die jenem noch sehr ferne liegen, er erreicht darin, 
in dem was seiner Kunstsphäre nahe lag, in den Seligen und den Engeln, 
auch bei den himmlischen Beisitzern des Gerichtes die bedeutendsten Fort- 
schritte; ja sogar bei den Verdammten, so schwächlich sie, Weil dem ganzen 
Wesen seiner Kunst fernliegend, in mancher Beziehung sein mögen, zeigt 
die wirre Flucht in der sie von den Teufeln gejagt in die Hölle eilen, 
wobei im Vordergrunde einer niedergerannt wird, doch eine so lebensvolle 
Gestaltung der Situation, wie sie jenem Künstler noch fern lag. 
Die Komposition von Fiesole's jüngstem Gericht ist im Ganzen von 
einheitlicher Wirkung, die Hauptgruppen sind klar auseinander gehalten; 
natürlich baut sie sich unter dem Einfluss mittelalterlicher Kunst noch auf 
einer gewissen symmetrischen Gleichwerthigkeit auf, aber es zeigt sich doch 
besonders bei den Seligen nur mehr ein allgemeines Entsprechen der 
Gruppen, statt ängstlicher Symmetrie; Christus, besonders die mandel- 
förmige Glorie, die ihn umgiebt, weisen zurück auf das Mittelalter, aber 
die reizenden Engel, die so anmuthig die Glorie umschweben, sind die 
Zeugen einer neuen, freieren Kunst. Die Anordnung der Apostel und 
Heiligen nimmt Fiesole wieder von der mittelalterlichen Kunst, aber während 
sie dort einfach nebeneinander sitzen, strebt er nach malerischer Vertiefung, 
er sucht die Figuren im Halbkreise anzuordnen und weist damit auf 
das Problem, das Fra Bartolommeo in seinem jüngsten Gerichte wieder 
aufgriff und Raphael so meisterhaft in der Disputa löste; zugleich weiss 
er dadurch, dass vorne Franziskus und Dominikus, innen Johannes und 
Maria etwas ausserhalb der Reihe gerückt sind, eine allzu harte Anordnung 
geschickt zu vermeiden. Am interessantesten aber erscheint auch nach 
dieser Seite die Gruppe der Gerechten und der Engel. Schon diese Fiesole 
originale Vereinigung ist höchst bedeutend, durch sie wird zuerst der 
Gedanke angeregt, die Gerechten in den Himmel einziehen zu lassen und 
dadurch den bisher streng getrennten oberen und unteren Theil des 
jüngsten Gerichtes zu verbinden. Fiesole stellt diesen Gedanken sehr naiv 
dar, gegen die Mitte des Bildes sehen wir die Gerechten, die ihr Dank- 
gebet zum Himmel emporsenden, Engel geleiten aus dieser Gruppe einzelne 
heraus und führen sie zu den Reigen der Seligen und Engel, der durch 
eine blumige Wiese tanzend in das himmlische Thor seinen Einzug hält. 
Dieser Reigen ist ebenso anziehend durch die anmuthige Bewegung des 
Ganzen, wie durch die Fülle der zartesten Einzelmotive. Besonders reizend 
ist die freundliche Bewillkommnung der Gerechten durch die Engel: hier 
begrüsst einer einen jungen Mönch, indem er ihn liebend an sich drückt, 
dort betet ein Engel einem Mönch vor, ein dritter zeigt den Weg zur 
himmlischen Pforte, der letzte Engel im Reigen dreht sich nach einem 
Mönch unter den Gerechten um und fordert ihn auf, sich dem Reigen an-
        

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