Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422562
Mönche von 
Zwei 
Marco. 
Cavalcaselle 1) den Einfluss des Masolino wahrscheinlich zu machen ver- 
sucht. Die bedeutendsten künstlerischen Anregungen aber empfing er 
wohl durch Orcagna, dessen Natur unter den Meistern des I4. Jahr- 
hunderts der seinen entschieden am congenialsten war. 
Die Anhaltspunkte für die Datirung der Werke F iesoles sind spärlich 
und es erscheint nicht möglich, die Entwicklung des Meisters im Einzelnen 
klar zu legen. Obwohl wir dies in manchen Fällen bedauern, weil es uns 
hindert, den stetigen Fortschritt des Meisters zu erkennen, den einzelne 
Werke klar zeigen, so können wir uns hierüber doch eher trösten wie bei 
anderen Künstlern, denn in Folge seines Lebens und Charakters waren 
bei ihm bedeutende Stilwandlungen ausgeschlossen; obgleich er sich nicht 
gegen die grossen Fortschritte der Florentiner Kunst seiner Zeit abschliesst; 
innerhalb der Schranken, die ihm von vorne herein gezogen, sucht er sich 
zu vervollkommnen, schon sein Schönheitssinn musste ihn dazu anregen, 
fortzuschreiten in der Kunst. Eine consequente Aufnahme aber etwa der 
Kunst des Masaccio war für Fiesole unmöglich, wollte er doch etwas 
ganz Anderes als jener; Masaccio strebt darnach, die historischen Ereig- 
nisse voll und ganz in der Wirklichkeit zu schildern, Fiesole aber giebt 
eine Traumwelt selbst in seinen historischen Bildern. 
Man hat sich wegen dieses conservativen Zuges, der so ganz durch 
den Charakter Fiesoles bedingt ist, gewöhnt, ihn als den Meister des 
14. Jahrhunderts im I5. darzustellen; ja, Kugler bespricht ihn sogar noch 
schlechtweg unter den Künstlern gothischen Stiles. Ich halte dies keines- 
Wegs für richtig, trotz der Gegensätze zu dem epochemachenden Masaccio; 
trotz denen gegenüber einem Künstler, wie etwa Filippo Lippi, halte ich 
Fiesole für einen vollen Meister des I 5. Jahrhunderts. Wie gross sind 
seine Fortschritte in Form, Bewegung und Komposition gegenüber dem 
I4. Jahrhundert, z. B. gegen Orcagna, mit dem ja die Parallele am 
nächsten liegt, oder etwa gegenüber Vdem jüngsten Gericht auf dem 
campo santo in Pisa; wie bedeutend ist der Einfluss, den Fiesole eben 
dadurch, dass er eine selbständige, der des Masaccio entgegengesetzte 
Kunstrichtung vertrat, mit seinem zarten Empfinden, seiner anmuthvollen 
Schönheit auf die ganze F lorentiner Kunst des I5. Jahrhunderts gewann; 
er ist ein nothwendiges Glied in derselben, nicht nur eine anziehende 
Episode oder eine feine Nachblüthe der Kunst des vorangegangenen Jahr- 
hunderts. Wenn wir uns aber schliesslich Fiesoles Persönlichkeit und sein 
ganzes künstlerisches Schaffen im einheitlichen Bilde vergegenwärtigen, 
so erscheint er in seiner stillen, frommen Weise nicht minder als eine 
1) Crowe und Cavalcaselle: 
135 u. ff. 
der italienischen Malerei. 
Geschichte 
Deutsch von Jordan.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.