Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422458
Verona. 
hier nur Einiges beispielsweise erwähnt werden: so für die erste Hälfte 
des I4. Jahrhunderts das Grabmal des Leibarztes des Can grande an der 
Westseite von S. Fermo, eine schlichte Arbeit, aber interessant durch das 
tüchtige Portrait. Im Gegensatze hierzu charakterisirt das Ende des 
Jahrhunderts, die Zeit der reichsten Entwickelung dieses Stiles, das Denk- 
mal des Nicolaus de Cavallis (gestorben 1397) in der südlichsten Kapelle 
von S. Anastasia. Der Verstorbene liegt gerüstet auf dem Sarkophage, 
die Augen hat er geschlossen, das Gesicht zeigt ausgesprochene Portrait- 
züge, Im Wesentlichen steht diese Portraitplastik auf gleicher Stufe wie 
die gleichzeitige Deutschlands, dessen Arbeiten verwandt auch die Grabplatte 
mit der Reliefligur eines Ritters von 1429 in derselben Kirche erscheint, 
die auch für die Kostümgeschichte recht interessant ist; der Stein muss 
früher auf dem Boden gelegen haben, da das Relief stark abgetreten. 
Einige beachtenswerthe Statuen dieser Zeit besitzt das Museo civico: 
so eine fast lebensgrosse, bemalte Steinfigur der Martha mit der Inschrift: 
zMartha hospita Christic: aus dem Anfang des I4. Jahrhunderts, interessant 
durch den Versuch feinerer Modellirung des Kopfes; dann eine stehende, 
überlebensgrosse Steiniigur johannes des Täufers aus dem I4. Jahrhundert, 
der in der Linken eine Scheibe mit dem Lamm halt; schätzenswerth ist 
an der Figur der Sinn für grosse Formen, die Durchführung ist aber 
grossentheils noch sehr befangen, so auch im Gesicht sind Nase und Mund 
derb charakteristisch, ja fast karikirt, dagegen fehlen alle feineren indi- 
viduellen Züge. 
Den grossen, ernsten und scharf ausgeprägten Charakter der Vero- 
neser Plastik dieser Periode, der nicht selten an das Herbe streift, zeigt 
auch die fast lebensgrosse Steingruppe der zusammensinkenden Maria, die 
von einer der Frauen unterstützt wird, ein Fragment einer Kreuzigung, 
ebenfalls im Museo civico, noch bedeutender aber, die Beweinung des 
Leichnams Christi, eine Steingruppe aus sieben, dreiviertel lebensgrossen 
Figuren vom Beginn des I5. Jahrhunderts, die jetzt in einen Altarsockel 
in S. Fermo eingelassen ist. 
Der Leichnam Christi liegt starr ausgestreckt auf dem Schoosse der 
Maria, die ihn mit der Linken hält, während ihre Rechte die Linke Christi 
ergriffen und emporhebt, wie wenn sie versuchen wollte, ob nicht noch 
Leben in dem Körper, aber die  meisterhaft beobachtete  willenlose 
Bewegung des Armes giebt ihr erneut die schreckliche Versicherung, dass 
das Leben aus dem geliebten Körper gewichen, auf den sie, einen Schrei 
ausstossend, schmerzbewegt niederblickt. Christi Haupt liegt in dem 
Schoosse einer der Frauen, die es mit beiden Händen hält, ihr Mund ist 
zur Klage geöffnet, ihre matronenhaften Züge sind durch den herben 
Schmerz entstellt, wie auch die der klagenden Frau neben Maria und der 
Maria Magdalena; in den beiden Ecken stehen zwei Männer  die leider
        

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