Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Physiologie des Fliegens und Schwebens in den bildenden Künsten
Person:
Exner, Sigmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398435
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398902
hier in Betracht kommen, fast ausschliesslich auf die horizontale 
oder mässig geneigte Richtung. Es ist uns freilich der nach oben 
geworfene Stein auch in jeder Beziehung geläufig, doch existirt 
keine Brücke, welche die Vorstellung desselben mit der des be- 
wegten menschlichen Körpers verbindet, und die Gestalt des 
vertical nach aufwärts springenden Menschen ist nicht geeignet, 
deutliche Erinnerungsbilder zurückzulassen, und wäre sie es, so 
würden dieselben jedenfalls zu keinen anmuthigen Bildern führen. 
Ich glaube, dass damit der oben erwähnte Umstand zu- 
sammenhängt, dass die Darstellung des Schwebens nach oben 
auf Schwierigkeiten stösst. Dieselben beziehen sich auf ge- 
rnässigte, wie auf lebhafte Bewegungen. Der Künstler findet 
eben die zu einer solchen Versinnlichung nöthigen Erinnerungs- 
bilder weder in sich, noch im Beschauer vor. 
Es hat sich demnach als Resultat unserer Betrachtungen 
ergeben, dass ein Künstler, der sich anschickt, eine schwebende 
oder fliegende Figur zu bilden, dieselbe nicht so gestaltet, wie 
sie erscheinen müsste, wenn sie schwerlos wäre, sie auch nicht 
mit jenen Attributen ausstattet, die ihr zukommen müssten, 
sollte sie das Vermögen des Fluges besitzen. Er verfährt viel- 
mehr wesentlich anders. Sein Trachten geht einzig und allein dahin, 
dass er durch eine Reihe von Kunstgriffen in dem Beschauer 
Ideenassociationen wachrufe, welche demselben die Vorstel- 
lungen des Schwebens dringend nahelegen. Es ist also eine feine 
psychologische Arbeit, die er hier unternimmt. Es stützt sich 
dabei auf eine allgemeine Eigenschaft unseres Vorstellungsver- 
mögens. Dieselbe besteht darin, dass wir, ohne uns darüber 
bewusst zu sein, als Ursache einer bestimmten Erscheinung in 
einem concreten Falle immer diejenige annehmen, welche sich 
erfahrungsgemäss in unzähligen ähnlichen Fällen als die rich- 
tige herausgestellt hat. Weil wir im Laufe unseres ganzen 
Lebens bei jeder stehenden Gestalt ihren Schatten bis an ihre 
Füsse reichen sahen, und bei jedem in irgend einer Weise in 
der Luft gehaltenen Objecte die Berührung desselben mit 
seinem Schatten vermissten, genügt es schon, wenn der Maler 
den Schatten des Beines erst in einiger Entfernung vom FUSSC 
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