Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Physiologie des Fliegens und Schwebens in den bildenden Künsten
Person:
Exner, Sigmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398435
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398863
man die Beine des Schwimmers nicht gut, und je weiter er 
von dem Beschauer entfernt ist, desto mehr sind nur die oberen 
Theile des Körpers sichtbar. Indem die Künstler in der Dar- 
stellung diesen Umständen Rechnung trugen, liessen sie erst die 
Füsse, dann die ganzen Beine, dann auch den Unterleib, end- 
lich auch den Oberkörper an ihren Figuren hinweg, und so sei 
jene Reihe von Engelsgestalten entstanden, deren letztes Glied 
das Engelsköpfchen mit zwei Flügeln ist  von einem in der 
Ferne schwimmenden Menschen sieht man auch nur den Kopf. 
Der Körper derjenigen, die überhaupt noch etwas von dem- 
selben behalten haben, läuft theils in die Himmelsglorie, theils 
in faltenreiche, aber leere Gewandungen aus. (Ich habe es wohl 
nicht nöthig, für jede der einzelnen Stufen Beispiele anzuführen, 
sie sind in der italienischen Schule häufig, kommen aber auch 
bei Nordländern vor1). 
Ein Darwinianer würde eine andere Erklärung geben. Er 
würde in dieser Reihenfolge von verkümmerten Mexischenkörpern 
eine Bestätigung des Gesetzes sehen, dass unbenützte Organe 
allmählig zu Grunde gehen. Die Engel hätten von unten 
nach oben allmählig ihre Körper verloren, wie der Maulwurf 
sein Auge bis auf ein Rudiment eingebüsst hat, weil sie keine 
Füsse, auch keine Beine u. s. W. brauchten, weil sie mit Kopf 
und Flügel ihrem Zwecke als fliegende Intelligenzen genügen 
konnten. 
Gehen wir zur dritten Gruppe unserer Gestalten über. 
Die zuletzt besprochenen stellen wir uns im Allgemeinen 
so vor, als würden sie sich in einem sachte dahingleitenden 
Strome befinden, als würden sie von diesem getragen, hätten 
vielleicht durch ihren Willen einen Einfluss auf die Richtung 
dieses Stromes. In der That ist häufig durch ein Flattern 
oder Aufblähen des Gewandes angedeutet, dass dem Künstler 
ähnliche Vorstellungen vorschwebten. Bei den Figuren, die wir 
jetzt zu besprechen haben, ist es anders. Hier scheint sich der 
Körper durch eine ihm selbst entspringende Kraft zu bewegen. 
Man könnte geneigt sein, als Beispiel dieser Bewegungs- 
form den aus dem Grabe aufsteigenden Christus einzuführen. 
bei 
V81] 
Rog. 
der 
Weyden. 
Belvedcre 
Wien.
        

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