Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Physiologie des Fliegens und Schwebens in den bildenden Künsten
Person:
Exner, Sigmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398435
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398828
Es kommt olTenbar nur das Erinnerungsbild an jenen leichten 
VogelHug in Betracht, welcher selbst schon die Eigenthümlich- 
keit hat, dass er uns im Momente, da wir ihn beobachten, die 
normale Schwere des Vogels vergessen lässt. In der That, wer 
je einen solchen aus der Luft heruntergeschossen hat, wird sich 
gewiss  wenigstens bei den ersten Malen  über das über- 
raschend plumpe Aufschlagen des Körpers auf den Boden ge- 
wundert haben. Es ist als hätte derselbe die Schwere der todten 
Masse erst durch die Tödtung erhalten. Mit anderen Worten: 
Wir stellen uns einen graziös hinziehenden Vogel leichter vor, 
als er wirklich ist. Es ist schwer zu sagen, wie viel diese Vor- 
stellung vom fliegenden Vogel in uns zu wirken vermag, das 
aber ist sicher, dass dieselbe uns bei der gänzlichen Unähnlich- 
keit des Vogelkörpers mit dem Menschenkörper keinen Anhalts- 
punkt für gewisse Stellungen des letzteren und vor Allem für 
die Bewegungen und Stellungen der menschlichen Extremitäten 
liefert. 
Der Typus dieser stark geneigten schwebenden Gestalten 
scheint mir noch auf Erinnerungsbildern ganz anderer Art zu 
beruhen, und zwar dürften diese nicht die untergeordnetste 
Rolle spielen. Ich meine unsere Erinnerungsbilder an das 
Schwimmen. Was als ein Schweben gemalt wird, ist häufig 
nichts als ein Schwimmen mit einigen Moditicationen. Diese 
Anschauung mag auf den ersten Blick barock erscheinen, und 
doch dürfte sie das Richtige treffen. 
In der That ist der menschliche Körper im Wasser ganz 
oder nahezu schwerlos, das Schwimmen ist ein Schweben im 
Wasser, und der menschliche Körper liefert uns einzig und 
allein dann ein Bild des Schwebens, wenn er im Wasser ist. 
Ich habe bisweilen den schönen Traum, zu Hiegen. Dieses 
Fliegen ist aber der Empfindung nach nichts als ein Schwimmen 
in der Luft, von dem gewöhnlichen Schwimmen nur dadurch 
unterschieden, dass ich mich bequem heben und sinken lassen 
kann, ja, ich mache im Traume sogar ähnliche Tempi, wie 
beim Schwimmen. Ich führe dies hier an, um zu zeigen, wie 
eng unsere Gedächtnissbilder vom Schwimmen mit den Vor- 
stellungen des Fliegens und Schwebens verknüpft sind. Und 
darauf kommt es hier an. Denn der Künstler erreicht seinen
        

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