Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Physiologie des Fliegens und Schwebens in den bildenden Künsten
Person:
Exner, Sigmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398435
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398818
tanzend u. s. w. Selbst von einer so wunderbaren Figur, wie 
die des RaphaePschen Engels aus dem Heliodorl) gilt dies; er 
scheint, freilich in etwas eigenthümlicher Weise, zu laufen, so- 
bald man das eine Bein den Boden berühren lässt. Ein grosser 
Theil derihieher gehörigen Gestalten prätendirt auch gar nicht, 
den Eindruck des Schwebens zu machen. 
Von diesen führt eine Reihe continuirlicher Uebergänge zu 
den wahrhaft schwebenden menschlichen Körpern. Ich meine 
jene unzähligen Göttergestalten aus mythologischen, Engel und 
Heilige aus kirchlichen Bildwerken, die schon dadurch, dass 
sie nicht mehr aufrecht gebildet sind, den Charakter der ge- 
wöhnlichen Locomotionsformen, als Gehen, Tanzen etc., ab- 
gestreift haben, die sich in der Luft, im Aether, als ihrem wahren 
Elemente, zu wiegen und durch räthselhafte Kräfte zu bewegen 
scheinen. 
Der Schlüssel zum psychologischen Verständnisse dieser Ge- 
stalten liegt wohl zum Theile in unseren Gedächtnissbildern 
an springende und laufende Gestalten. Ich erinnere in ersterer 
Beziehung an die zum Drachen herabschwebende Figur, welche 
Pierro di Cosimo in seiner Geschichte des Perseus liefert (eine 
alte Copie des betreffenden von den vier Bildern, aus welchen 
diese Geschichte besteht, befindet sich im Wiener Belvedere), und 
in letzterer an manches pompejanische Wandgemälde oder an den 
eben genannten Engel in RaphaeYs Heliodor. Es kennzeichnet der 
Künstler nämlich die Richtung, nach welcher sich eine schwe- 
bende Gestalt hinbewegt dadurch, dass er den Oberkörper nach 
dieser hin vorneigt. Dieselbe Neigung aber hat der menschliche 
Körper eben auch im Laufen. Ferner erinnern gewisse schwe- 
bende Gestalten der Kunst geradezu an abstürzende menschliche 
Körper, und es ist von Interesse, zu beachten, wodurch sich 
derartige Darstellungen von den Darstellungen wirklich herab- 
stürzender Körper, z. B. aus dem jüngsten Gericht Michel- 
angelds unterscheiden. 
Zu einem anderen Theile spielt wohl auch das Erinnerungs- 
bild an den Hiegenden Vogel eine Rolle bei unserem Verständ- 
niss für diese Gestalten. Doch ist hier Folgendes zu bemerken: 
den 
Stanzen 
des 
Vaticans.
        

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