Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Physiologie des Fliegens und Schwebens in den bildenden Künsten
Person:
Exner, Sigmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398435
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398806
Als ein besonders beliebtes Thema der pompejanischen 
Wandgemälde finden sich einzelne oder paarweise vereinigte 
menschliche Gestalten in der Ausführung eines graziösen Tanzes 
begriffen. Blicken wir näher zu, so sehen wir, dass manche 
derselben einen Boden unter den Füssen haben, bei anderen 
ist der Boden nur mehr als je ein mit dem übrigen Bild 
in keinerlei Zusammenhang stehender Strich angedeutet, und 
wieder bei anderen ist er vollkommen weggelassen. Letztere 
sind dann in der Luft tanzende Figuren, sie machen aber nicht 
so sehr den Eindruck schwebender Figuren, als vielmehr solcher, 
die auf "wohlgegründeter Erde" tanzen, bei denen aber der 
Maler den Boden als überflüssig hinweggelassen hat. Es wird 
sogar das Anstemmen des Beines gegen den Boden, das bei 
Wendungen im Tanze nöthig ist, wiedergegeben, obwohl dieser 
fehlt 1). 
S0 entstehen jene zum Theil überaus graziösen Gestalten, 
die seit dem Alterthum bis auf unsere Tage den Typus für 
Musen, Horen, Personificationen etc. abgegeben haben; ich ver-' 
weise auf ein uns naheliegendes. Beispiel, die weiblichen Ge- 
stalten Rahl's, die den Heinrichshof 2) zieren. Derartige Figuren 
sind die gemalte Verwirklichung unseres Ideales vom Tanze, 
dessen Schönheit in dem Masse steigt, in welchem uns der 
Tanzende die Nothwendigkeit des tragenden Bodens ver- 
gessen lässt. 
Wir finden dieses Weglassen der stützenden Unterlage in 
verschiedenen Formen vielfach wieder. Um einen Künstler ganz 
anderer Art zu nennen, erinnere ich an Albrecht Dürer's grosse 
"Anbetung der Dreieinigkeit" im Belvedere zu Wien. Hier ist 
eine Menge von Figuren in der Luft dargestellt; alle aber 
benehmen sich vollkommen wie auf festem Boden. Sie knien 
und stehen genau so, wie dies gewöhnliche Menschen thun, 
nur ist der Boden nicht gezeichnet, zum Theile auch durch 
Wolken ersetzt. Alle diese Gestalten machen aber nicht den 
Eindruck des eigentlichen Schwebens; deckt man ihnen die 
Füsse zu, so dass es möglich ist, sie in der Phantasie mit dem 
Boden in Verbindung zu bringen, so erscheinen sie als stehend, 
EinBeispiel hiefü 
ln Wien. 
53 
Äindetsich bei Z ah n , „PompeLWandgemäldeWTaE1
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.