Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Physiologie des Fliegens und Schwebens in den bildenden Künsten
Person:
Exner, Sigmund
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398435
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398751
dass es auch dann noch das erweisen würde, was es erweisen 
soll, wenn es um das Doppelte und mehr zu gross ausgefallen 
wäre. Der Körper ist also, indem wir ihm sein normales Ge- 
wicht zusprachen, offenbar als zu schwer angesehen worden. 
Andererseits kann man dieselbe Gedankenfolge verwenden, 
um die Schwere des Körpers, welche der Maler vorausgesetzt 
hat, näherungsweise zu bestimmen. Es ist nur nöthig, eine 
Annahme darüber zu machen, wie schnell sich unsere Putte in 
der Luft bewegt. Mir macht dieser zielende Knabe den Ein- 
druck, dass er jedenfalls nicht mehr als zwei Meter in der" 
Secunde zurücklegen kann. Unter dieser Voraussetzung ergibt 
sich als Gewicht der ganzen Knabengestalt, auf der Wage 
bestimmt, zwei Gramm. Man würde ihn also mit Leichtigkeit 
in die Luft blasen können. 
Diese Betrachtungen zeigen, dass wir es mit einem Fliegen 
im mechanischen Sinne hier durchaus nicht zu thun haben. 
Man kann zur besseren Uebersicht die schwebenden Figuren 
nach ihrer Darstellung in drei, natürlich durchaus nicht scharf 
von einander getrennte Gruppen theilen. 1. Gruppe: Der Künstler 
hat sich von der Vorstellung der Schwere seiner Gestalten noch 
nicht vollständig losgemacht. 2. Gruppe: Dem Künstler sind 
seine Gestalten in der That schwerlos. 3. Gruppe: Die schwer- 
losen Gestalten bewegen sich durch eine ihnen innewohnende 
Kraft im Raume. 
Der ersten Gruppe gehören jene mannigfaltigen Motive 
an, durch welche der Künstler die Schwere seiner Gestalten zu 
bernänteln oder über sie hinwegzutäuschen sucht, indem er 
ihnen wenigstens scheinbar eine Unterlage, eine Stütze oder 
einen Haltpunkt gibt. So lässt Masaccio seinen Engel, der Adam 
und Eva aus dem Paradiese treibtl), auf den vom Winde auf- 
geblähten Falten seines eigenen Gewandes knien, um die Vor- 
Stellung zu erwecken, dass die Kraft des Windes der Last des 
Körpers entgegenwirke. Ich brauche kaum zu erwähnen, dass 
es sich hier nur um eine künstlerische Andeutung, sagen wir 
Florenz.
        

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