Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Studium und die Ziele der Malerei
Person:
Schultze-Naumburg, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396875
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1397774
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äüäääääääß!) 
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Auge ist einfach an die Helligkeit des Tages gewöhnt, und die- 
selbe künstliche Lichtilut, die am Abend gross erschien, scheint 
jetzt sehr gering. Das Auge hat eben einen andern Massstab 
an dem hellen Tageslicht. Ebenso natürlich ist es, wenn man im 
Tageslicht vor der Staffelei steht und in den künstlich beleuchteten 
Raum sieht, dass man dann nicht den Eindruck hat, den das 
Auge am dunklen Abend empfängt und folglich diesen Ein- 
druck auch nicht malt. Natürlich will der Maler den wieder- 
geben, den man empfängt, wenn man am Abend geblendet 
im beleuchteten Raum steht, aber auf die beschriebene Methode 
erreicht er es nie. Er käme weiter, wenn er sich am Abend 
in den Raum selbst setzte und bei künstlichem Lichte malte. 
Der Nachteil, dass die Farben 'dabei anders erscheinen, ist 
geringer, als der vorhin erwähnte. Oder vielleicht am weitesten, 
wenn er überhaupt nur gut beobachtet und dann den Eindruck 
mit Hilfe von Zeichnungen aus dem Kopf malt. 
Bis jetzt handelte es sich um Darstellung einer Beleuchtungs- 
erscheinung, die den Künstler als solche zur Wiedergabe gereizt 
hatte. Es kann aber auch organische oder lineare Schönheit, 
ein psychologischer Vorgang, eine dramatische Scene, eine 
idyllische Existenz, ja eine von jeder realen Bedingung losge- 
löste Traumerscheinung in seiner Vorstellung Bildmotiv sein. 
Dann wird er, wenn er ein Modell in Beleuchtungsbedingungen 
hineinstellt, die seinen Vorgang entsprechen würden, meist eine 
grosse Enttäuschung erleben. Dann objektive Wahrheit anzu- 
streben, vernichtet oft die bestempfundene Absicht. Man nenntls 
gern Ehrlichkeit, im Grunde ist's Pedanterie. Man habe doch 
den Mut, zu malen, was man innerlich geschaut hat, selbst
        

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