Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Studium und die Ziele der Malerei
Person:
Schultze-Naumburg, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396875
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398315
äßßbääääääää 122 Nßääääßßßßää 
sich nie getrauen, fest und kräftig in die Farbe zu gehen. 
Anfänger namentlich lassen sich oft um die Welt nicht be- 
wegen, ihre Töne breit und pastos hinzusetzen, sondern malen 
eigensinnig ihre dünnen Hauen Tönchen weiter, wobei sie sich 
natürlich nur selbst im Lichte stehen, da sie nur das Ver- 
ständnis für das, was Malen heisst, den Übergang vom Kolo- 
rieren zum Malen, hinausschieben und auf diese Weise ihre 
'Studienzeit unnütz verlängern, was doch nicht Sparsamkeit 
bedeutet. Schon in der Thatsache, dass jemandem die ver- 
brauchte Farbe leid thut, liegt ein dilettantischer Zug; ein 
Künstler wird lieber trocken Brot essen, als an seiner Kunst 
knausern.  Wenn man am Abend die Pinsel aus der Hand 
legt und die Palette säubert, bleibt gewöhnlich ziemlich viel 
gemischte Farbe auf dieser sitzen. Es thut dann manchen 
Leuten in der Seele weh, diese wegzuwerfen, sie scharren sie 
zusammen und heben sie für den nächsten Tag auf. Es kann 
nun in der That vorkommen, dass man gewisse frische Töne 
in grossen Mengen auf der Palette hat und diese als wieder 
zu vermischenden Ton verwenden kann. Das setzt aber ganz 
gewisse Fälle und ein so vollkommenes Beherrschen seiner 
Mittel voraus, dass man es im allgemeinen als eine gänzlich 
zu verbannende Knauserei hinstellen kann. Ich habe Leute 
gekannt,  besonders Damen  welche das ganze Chaos von 
Farbenrestchen wie Kostbarkeiten zusammenkratzten und, über 
das Verwerfliche ihres Thuns befragt, die Auskunft gaben: 
damit malten sie am nächsten Tage den Hintergrund. Nur 
vom Standpunkt des Humors aufgefasst ist so eine Ansicht 
erfreulich.
        

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